Berlin : Traumhaft studieren – für 5000 Euro Gebühr im Trimester

An der Eliteuniversität ECLA in Pankow ist der Uni-Streik ganz fern

Constance Frey

Im Vorraum steht ein hübsch geschmückter Weihnachtsbaum. Daneben machen Dragana Borenovic und Irina Chkhaidze an einem großen Gerät Fotokopien. „Dick, wir sind noch nicht fertig, können wir hier noch ein wenig bleiben?“, fragt Dragana auf Englisch: Dick, das ist Richard Shriver, Dekan der Privatuniversität European College of Liberal Arts (ECLA), die in Pankow einige ehemalige Botschaftsgebäude aufgekauft und daraus Studentenwohnheime, eine Kantine und Lehrgebäude gemacht hat. Den eher unansehnlichen Plattenbauten sieht man nicht an, dass sie eine geisteswissenschaftliche Elite-Universität beherbergen. Auf dem Lehrplan stehen Philosophie, Kunstgeschichte, Filmkritik und Bildungsreisen, etwa nach Venedig.

Die Ausbildung dauert zwei Jahre, aufgeteilt in drei Trimester, für die jeweils 5000 Euro Studiengebühren gezahlt werden müssen. Dafür werden die Studenten untergebracht und verpflegt. Dragana Borenovic aus Serbien und Irina Chkhaidze aus Georgien studieren mit 18 weiteren Kommilitonen im zweiten Ausbildungsjahr. Im ersten Jahr sind derzeit 50 Studenten eingeschrieben. In den Seminaren sitzen sechs bis acht Teilnehmer und es gibt Einzeltutorien mit den Professoren. Das Konzept ist erfolgreich: Einige Alumnis sind inzwischen in Harvard.

Traumhafte Studienbedingungen – verglichen mit dem Alltag an den Berliner Universitäten. Dennoch haben die Studenten an der ECLA eine Meinung zu den Streiks. „Ich habe mich zwar in der letzten Zeit eher mit den Ereignissen in Georgien befasst, aber ich glaube, wenn ich selbst betroffen wäre, würde ich wie die deutschen Studenten auf die Straße gehen. Bildung sollte allen zugänglich sein“, sagt Irina Chkhaidze. Beide Studentinnen bekommen ein Stipendium, sie selber zahlen etwa 300 Euro im Jahr dazu. Sehr wenig, wie sie finden. Dragana Borenovic würde gerne weiter in Deutschland bleiben. „Ich würde dann an einer internationalen Universität weiterstudieren, wie in Bremen.“

Drüben in der Kantine wird gerade das Abendessen serviert, auf den Tischen stehen rote Kerzen und gebundene Tannenzweige. Enis Oktay, Hanno Wagner, Charlotte Kemperdick und Max Rosen haben sich am Buffet bedient. Enis Oktay ist Türke, auch er ist über ein Stipendium hergekommen. „Ich habe über den Streik gehört, dass es da um Staatszuschüsse geht. Wenn das der Fall ist, bin ich für den Streik. Das gleiche Problem haben wir in der Türkei auch.“

Hanno Wagner studiert nebenbei auch an der Technischen Universität, und was er vom Streik mitbekommt, findet er „wunderbar“ und „sehr kreativ“. „Ich finde die Streiks sehr sinnvoll“, meint Charlotte Kemperdick, „denn auf internationaler Ebene hinkt das deutsche Bildungssystem hinterher.“ Und Max Rosen weiß, dass Berlin als Studienstandort unter den Deutschen an der ECLA zunehmend unbeliebt ist. „Viele überlegen, anderswo in Deutschland zu studieren.“ Charlotte Kemperdick möchte nicht im deutschen Universitätssystem studieren. „Ich werde erstmal in Deutschland bleiben, aber auf jeden Fall einen Bachelor machen. Ein deutsches Diplom will ich nicht.“

Ob sie sich vorstellen können, hier an ihrer Uni zu streiken? Alle lachen. „Wir sind hier vollwertige Studenten, was immer wir machen, wir werden dabei unterstützt“, erzählt Charlotte Kemperdick, „erst neulich haben wir mit entschieden, in welchem Zeitraum und mit welchen Hilfsmitteln wir unsere Semesterabschlussarbeiten schreiben wollen.“ Nach dem Abendessen ist Kinoabend im universitätseigenen Projektionssaal. Am nächsten Wochenende werden alle zusammen ihre Weihnachtsparty im Haus von Dekan Richard Shriver feiern. Und während in Berlin die Streiks weitergehen, fahren alle ab dem 13. Dezember in die Weihnachtsferien.

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