Berlin : Traumhafte Textilien

Museumsmitarbeiter und ihre Lieblingsstücke (2): Warum eine Garderobiere auf Teppiche fliegt

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Im Februar war es ein Schirm. Einsam hing er an einer der vielen Leisten der Garderobe und war das einzige Überbleibsel der letzten Langen Nacht der Museen. Mehr haben die Besucher des Pergamon-Museums selbst zu später Stunde nicht vergessen. Das weiß Marianne Schiche (56), die am 31. August zum dritten Mal für die Lange Nacht im Pergamon-Museum Jacken, Mäntel und – das Wetter möge es verhindern – Regenschirme aufhängen wird. „Während der Langen Nacht der Museen arbeite ich gerne“, erklärt die schlanke Frau in blauem Rock und weißer Bluse ihren Arbeitswillen. „Sonst ist es doch immer dasselbe, aber in dieser Nacht ist die Atmosphäre hier so schön.“ Die Besucher seien einfach lockerer und freundlicher. Deshalb kommt die freundliche Dame auch öfter mit den Besuchern ins Gespräch.

Und nicht nur die Gäste sind an diesem Abend anders, auch das, was abgegeben wird: Weniger abgewetzte Rucksäcke, Plastiktüten und Alltagsjacken hängen dann an den Haken, dafür mehr Taschen und Abendmäntel „Die Leute machen sich einfach schicker.“ Hat die Garderobiere mal ein bisschen Zeit, dann geht sie nach oben und schaut sich die Leute an. Denn am wohlsten fühle sie sich, wenn das Museum voll sei. Und weil es Marianne Schiche bunt mag, wird sie am morgigen Sonnabend einen Blick auf ihre momentanen Lieblingsstücke werfen: die Cassirer-Teppiche. „Wie die Farben von diesen Teppichen leuchten! Das ist einfach unglaublich, wenn man bedenkt, was die schon alles durchgemacht haben“, sagt die Garderobenfrau begeistert. Seit dem 16. August sind einige der Textilkunstwerke aus der Sammlung des Industriellen Alfred Cassirer in der Islamischen Abteilung zu sehen. Wiebke Heiss

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