Berlin : Traumtänzer im Nebel

Nach sieben Jahren macht der Cirque du Soleil wieder Station – auf dem Anschutz-Areal am Ostbahnhof

Heidemarie Mazuhn

Noch ist das neue Stadtquartier auf dem ehemaligen Bahngelände zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße noch Zukunftsmusik. Auch das 150 Millionen teure Herzstück der riesigen Brache – die Mehrzweckhalle, nach ihrem amerikanischen Eigentümer als Anschutz-Arena im Gespräch – ist erst auf dem Reißbrett vorhanden.

Geboten wird im Sommer erstmals dort aber trotzdem schon etwas – zwei Stunden „Hochgeschwindigkeits-Unterhaltung“ sollen ab 30. August die Besucher zum Stralauer Platz am Ostbahnhof locken. Mit diesem Begriff warb der kanadische Cirque du Soleil gestern schon mal im Kino Cinestar am Potsdamer Platz für die Deutschlandpremiere seiner neuen Show „Dralion“. Weltpremiere hatte sie allerdings schon 1999 in Montreal, dem internationalem Hauptquartier des 1984 in Quebec gegründeten Cirque du Soleil. Der entwickelte sich von anfangs 20 Straßenkünstlern, die sich unter diesem Namen zusammenschlossen, in den vergangenen 20 Jahren zu einem weltweiten Entertainment-Multi, der heute 3000 Personen ernährt, darunter mehr als 900 Artisten aus 40 Ländern. Mit elf Shows sind diese in diesem Jahr unterwegs – nach dem letzten Gastspiel 1999 mit „Quidam“ erstmals nun auch wieder in Berlin.

Hier machte gestern Regisseur Guy Caron wortreich und mit Hilfe der Kino-Leinwand auch aktionsreich und farbenprächtig Appetit auf seine Show „Dralion“ – deren Titel sich aus dem Wort Dragon für Drachen und Lion für Löwe zusammensetzt und damit die östliche und westliche Kultur gleichermaßen repräsentieren soll.

Das macht der Cirque du Soleil in jedem Fall – mit 160 Menschen aus 20 Ländern, davon sind 62 Artisten, ist allein „Dralion“ seit 1999 auf Tournee. Nach vier Jahren durch 30 nordamerikanische Städte tourt die Show, die die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft feiern will, nun seit zwei Jahren durch Old Europe – aktuell in Sevilla, demnächst in Genf.

Die bisher größte und technisch anspruchsvollste Inszenierung des Cirque du Soleil überhaupt sei es, warb gestern Shawn Kent als Marketingdirektor für das hiesige Gastspiel des Unternehmens, das längst auch in Las Vegas und in der Disney World in Florida feste Spielorte unterhält.

Die „synthetische Sinnlichkeit“ – so bescheinigte der Tagesspiegel 1999 dem Berlingastspiel des Cirque du Soleil – ist dabei nicht jedes Zirkusfreundes Sache. Wer aber auch diesmal auf Sägespäne und Manegengeruch als urtypischstes Zirkuserlebnis verzichten kann, dem soll wie bei „Quidam“ auch bei „Dralion“ wieder Spektakuläres geboten werden – unter anderem eine Weltpremiere. Sieben junge Frauen tanzen ein Spitzenballett – auf leuchtenden Glühlampen. hema

Cirque du Soleil: ab 30. August am Stralauer Platz, Kartentelefon: 01805-352535, auch unter www.cirquedusoleil.com

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