Treberhilfe : Der dritte Führungswechsel

Wieder hat ein Geschäftsführer die Treberhilfe verlassen – „im Einvernehmen mit den Gesellschaftern“.

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Die Nachricht gleicht einem Déjà-vu-Erlebnis: Erneut hat ein Geschäftsführer die gemeinnützige Treberhilfe GmbH verlassen – der dritte innerhalb von fünf Monaten. Diesmal ist es Dietrich Fenner: Er hat das Berliner Sozialunternehmen, das wegen der sogenannten Maserati-Affäre rund um ihren Gründer Harald Ehlert stark in die Kritik geraten ist, zum 1. August verlassen.

Fenners Abschied geschah „im Einvernehmen mit den Gesellschaftern“, wie der 66-Jährige selbst mitteilt. „Wir haben uns nicht gestritten“, lässt der frühere Treptower Jugendamtsleiter wissen. Mehr wolle er zu diesem Thema nicht sagen, denn mit den Gesellschaftern sei Stillschweigen vereinbart worden. Anders als der erste Interimsgeschäftsführer Jens Fischer ist Fenner zuvor nicht beurlaubt und mit Hausverbot belegt worden. Auch Volker Härtig, der an der Seite von Fenner im Juni die Geschäfte führte, für einen harten Sanierungskurs stand und von „erheblichen Dissonanzen mit dem Aufsichtsrat“ sprach, wurde bereits nach vier Wochen beurlaubt. Damit ist Fenner der Mann, der außer Unternehmensgründer Ehlert am längsten Geschäftsführer war: ganze vier Monate.

Doch nicht nur die schnellen Führungswechsel, auch Personal- und Kreditkündigungen sowie Mandantenverluste, die die Affäre um Ehlert nach sich zieht, machen der Treberhilfe zu schaffen: So sind bisher erst 25 Prozent der Juli-Gehälter angewiesen worden – „aus verfahrenstechnischen Gründen“, wie Treberhilfe-Sprecherin Juliane Friese betont. Die anderen Zahlungen würden sich um mehrere Tage verzögern. Gute Kenner des Unternehmens werten die Säumnisse als ernsten Hinweis auf eine höchst prekäre finanzielle Situation der Treberhilfe.

Deren Geschäfte führt nach Fenners Ausscheiden nun Frank Biskup allein. Der 57-jährige Biskup war Anfang Juli vom Aufsichtsrat in die Geschäftsführung gewechselt und wird jetzt im Aufsichtsrat durch den von ihm vorgeschlagenen früheren brandenburgischen Ministerialbeamten Harald Witt ersetzt. „Biskup eignet sich für Ehlert und dessen Getreue im Aufsichtsrat als Instrument viel besser als Fenner“, so ein Insider und sagt damit indirekt, was viele Kenner der Szene glauben: Dass der nach wie vor Geschäftsanteile haltende und in der Caputher Villa „DenkMal“ wohnende Ehlert die Fäden bei der Treberhilfe noch immer in der Hand hält.

Fenner sei zwar von den meisten Vorgängen in der Treberhilfe überfordert gewesen und hätte außerdem hauptsächlich als Sprachrohr des Aufsichtsrats fungiert. Von der ethischen Grundhaltung her sei er aber ein anständiger Mann und „eine ehrliche Haut“, so der Insider. „Fenner hat den Widerspruch zwischen der Realität und dem kompletten Wirklichkeitsverlust, unter dem Ehlert und seine Gefolgsleute leiden, einfach nicht mehr ausgehalten.“ Tatsächlich ist Fenner der Treberhilfe in den letzten Monaten wochenlang ferngeblieben – aus Krankheitsgründen, wie es offiziell hieß.

Biskup hingegen gilt bei vielen als Mann, von dem Ehlert – Im Gegensatz zu dem für derartige Pläne hinausgeworfenen Härtig – den Verkauf gesellschaftseigener Immobilien kaum zu befürchten hat. Genauso wenig wie den Abzug des Hauspersonals aus der Caputher Villa. Oder gar Kürzungen der nach wie vor an Ex-Geschäftsführer Ehlert fließenden reichhaltigen monatlichen Bezüge. Eva Kalwa

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