Treberhilfe : Ehlert hält weiter die Zügel in der Hand

Vor einem Jahr begann die Affäre um die Treberhilfe und ihren Chef Harald Ehlert. Die Folgen sind noch lange nicht aufgearbeitet. Bislang scheiterten alle Versuche, Ehlert tatsächlich zu entmachten.

von
Harald Ehlert, der Gründer und Ex-Geschäftsführer der Treberhilfe, hält bis heute 50 Prozent der Anteile.
Harald Ehlert, der Gründer und Ex-Geschäftsführer der Treberhilfe, hält bis heute 50 Prozent der Anteile.Foto: Thilo Rückeis

Man sollte glauben, dass zwölf Monate genügen. Zwölf Monate, um eine Affäre zu beenden, die heute vor einem Jahr mit der kurzfristig zurückgezogenen Klage am Verwaltungsgericht gegen eine Fahrtenbuchauflage begann: Die Affäre um Harald Ehlert, den Gründer und ehemaligen Geschäftsführer der gemeinnützigen Treberhilfe GmbH, dessen Dienstwagen-Maserati und sein luxuriöser, durch öffentliche Gelder ermöglichter Lebensstil. Zu dem gehörten ein Jahresgehalt von angeblich rund 350 000 Euro, eine günstige Wohnung in der als Schulungszentrum deklarierten, üppig ausgestatteten Villa „denkMal“ in Caputh und mehrere noble Dienstwagen samt Chauffeur.

Zwölf Monate und fünf Geschäftsführer in kurzer Folge hätten zumindest reichen müssen, um Ehlerts Einfluss auf die Treberhilfe mit ihren mehreren über die Stadt verteilten Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe und den rund 200 Mitarbeitern zu beenden. Wenigstens solange, bis die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Ehlert wegen des Verdachts auf Veruntreuung öffentlicher Mittel beendet hat. Und bis das Prüfverfahren des Finanzamts, das der Organisation, wie verlautet, die Gemeinnützigkeit aberkennen will, zum Abschluss gekommen ist.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Dass Ehlert, der noch immer 50 Prozent der Gesellschafteranteile hält, keine Reue oder Einsicht zeigt, hat er kürzlich in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ wie gewohnt selbstgerecht demonstriert. Und in seinem politischen Heimatstall, der Schöneberger SPD, gilt der 50-Jährige wohl unverrückbar als Kompetenz: Am 15. Februar 2011 stand bei einer Mitgliederversammlung ein Vortrag Ehlerts mit dem Titel „Sozialwirtschaft in Berlin: Was ist Sozialarbeit und wie sollte sie organisiert und finanziert werden?“ auf dem Programm. Doch das ist nicht alles. Denn nach Informationen des Tagesspiegels soll Ehlert in der Treberhilfe nach wie vor die Zügel in der Hand halten.

Mitarbeiter berichten, dass die drei Bereichsleiter und der derzeitige Geschäftsführer Gideon Joffe jeden Montag nach Caputh hinaus fahren, um Ehlert Rapport zu erstatten und sich Anweisungen abzuholen. Das Ritual der wöchentlichen Treffen soll bereits kurz nach Ehlerts Amtsniederlegung im März 2010 eingeführt worden sein und wurde nur kurzzeitig unterbrochen von Joffes Vorgänger, Frank Biskup. Der war ernsthaft an Aufklärung interessiert, hat versucht, Ehlert aus den Geschäften herauszuhalten – und scheiterte. Seit Dezember ist nun Joffe da und wie Mitarbeiter berichten, scheint der 38-Jährige sich ganz im Ehlert’schen Sinn zu präsentieren: Joffes Hauptaufgabe liege darin, die Treberhilfe nach außen gut zu verkaufen. Alle wichtigen Entscheidungen würden jedoch nach wie vor in Caputh getroffen. Joffe bestreitet alle Vorwürfe und verweist auf die Funktion der Villa als Bildungs- und Konferenzeinrichtung.

Nach Ehlerts Amtsniederlegung konnte sich ein Betriebsrat bilden, doch der scheint de facto keinerlei Einfluss zu haben. „Wir werden, wo es nur geht, boykottiert“, sagt Betriebsratsvorsitzende Hiltrud Fiedler. Mittlerweile haben viele langjährige Mitarbeiter und teilweise ganze Teams zu anderen Sozialdienstleistern gewechselt. Der Senat hat die Zusammenarbeit bei den schwierig zu kontrollierenden Zuwendungen bereits beendet. Manche Bezirke arbeiten auch im Entgeltbereich nicht mehr mit der Organisation zusammen. Längst beginnen andere Sozialdienstleister, sich auf dem umkämpften Markt zu etablieren. Auch hat die Senatsverwaltung eine Bundesratsinitiative gestartet, die den Sozialhilfeträgern ein einseitiges und nicht anlassbezogenes Prüfrecht einräumen soll. „Die Affäre zeigt, dass staatliche Handlungsspielräume unbedingt erweitert werden müssen“, sagt die Sprecherin der Senatsverwaltung für Soziales, Anja Wollny. Bis es allerdings soweit ist, fließt noch viel Wasser durch den Templiner See, an dessen Ufer idyllisch eine weiße Villa liegt.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

11 Kommentare

Neuester Kommentar