Berlin : Treibstoffpreise: Benzinklau hat nur leicht zugenommen

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Manchmal müssen sie sich vorkommen wie im Irrenhaus. Wenn sie hinter ihrer Kasse stehen und sich von den Kunden anmotzen lassen müssen. "Ist doch eine Sauerei, dass ihr das Benzin so teuer macht," oder einfach "Frechheit!", das komme immer wieder vor, erzählt Burak Coskun von der DEA-Tankstelle an der Skalitzer Straße in Kreuzberg. Die Schautafeln zeigen 2, 129 Mark für einen Liter Super Plus an. "Als ob wir etwas dafür könnten. Die Preise macht doch der Staat und nicht wir."

DEA-Mitarbeiter Coskun versucht, die aufgebrachten Tanker dann damit zu beruhigen, dass er den gleichen Preis bezahlen muss wie die Kunden. Als Geschäftsführer habe er da keine Vorteile. Oder er verweist auf das DEA-Plakat im Fenster. "Früher waren wir Benzinverkäufer, heute sind wir Steuereintreiber", steht da. Richtig aggressiv würden die Leute aber selten. "Die halten sich nicht lange damit auf", sagt Coskun. Benzin-Nörgler sind Kurz-Nörgler, die es in der Regel eilig haben.

Das Einzige, was seiner Meinung nach ganz leicht zugenommen hat, ist der Benzin-Klau. Bis vor einem halben Jahr sei jeden Monat im Durchschnitt ein Wagen weggefahren, ohne zu bezahlen. Im letzten halben Jahr sei die Zahl auf zwei bis drei angestiegen. An größeren Tankstellen wie der BP-Tankstelle Skalitzer- / Ecke Mariannenstraße sei die Zahl noch etwas höher. Zwei bis drei Mal die Woche führen hier Leute ohne zu bezahlen weg, bestätigt Verkäuferin Manuela Jürgensen. "Aber das machen sie schon seit einigen Jahren. Da hat sich seit der Erhöhung nicht viel geändert." Jürgensen zeigt auf die Videokameras, die unter dem Dach hängen. "Die filmen jeden Wagen. Wir geben die Bilder dann an die Polizei weiter."

Auch Thomas Jansen konnte kein Ansteigen beim Benzin-Betrug feststellen. Der Zollbeamte testet, was die LKWs so im Tank haben. Fahren sie wirklich mit Diesel von der Tankstelle oder doch mit Heizöl aus dem Keller? Die Treibstoffe sind völlig identisch. Heizöl ist jedoch steuerbegünstigt, also billiger. Zur besseren Unterscheidung sind die Kraftstoffe deshalb mit unterschiedlichen Farbstoffen versehen.

Als Leidtragende der erhöhten Spritpreise sehen sich die Spediteure. Der Spediteurverband Berlin-Brandenburg rechnet noch für diese Woche mit ersten Konkursen in der Branche. Zahlreiche Spediteure in Berlin und Brandenburg könnten die nächsten Rechnungen der Tankkreditunternehmen nicht mehr bezahlen, sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Gerhard Ostwald, dem Radiosender Hundert,6. Er kündigte an, dass die Geschäftsführer der Spediteurverbände aus ganz Deutschland am Donnerstag über bundesweite Streiks beraten wollen.

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