Berlin : Treppauf – treppab

U 1 am Gleisdreieck wegen Bauarbeiten geschlossen Klagen über fehlende Rolltreppen und Aufzüge

Tanja Buntrock

Das traf die junge Mutter im U-Bahn-Waggon der U1 völlig unerwartet. „Sehr geehrte Fahrgäste. Bitte alle aussteigen. Dieser Zug endet hier. In Richtung Uhlandstraße fahren Sie bitte mit der U2 bis Wittenbergplatz und steigen dann um“, schallt es am Bahnhof Gleisdreieck aus den Lautsprechern.

Pech für die Fahrgäste, besonders für Angela Heine. Für sie heißt es nun, den Kinderwagen, in dem ihr wenige Tage alter Sohn Tyron friedlich schlummert, die vielen Stufen zum Bahnsteig der U2 hinunterzuschleppen. Der Bahnhof Gleisdreieck hat weder eine Rolltreppe noch einen Fahrstuhl. Wie berichtet, wurde der Streckenabschnitt der U1 zwischen Gleisdreieck und Wittenbergplatz wegen Bauarbeiten geschlossen – erst am 29. Juli rollen die Züge der U1 hier wieder planmäßig. „Ich komme gerade aus dem Krankenhaus und wusste davon nichts“, sagt Angela Heine. Langfristig müsse sie sich nun etwas überlegen, da sie diese Strecke fast täglich fährt: „Meine Mutter wohnt in der Nähe des Kudamms. Das wird mir zu anstrengend, wenn ich hier jedes Mal jemanden fragen muss, der mir hilft, den Kinderwagen zu schleppen.“ Auch der 75-jährige Rentner, der aufgrund eines Bypasses in einem Bein auf eine Krücke angewiesen ist, ächzt: „Ein Fahrstuhl wäre hier schon angenehmer. Gut, dass ich nur ab und zu gezwungen bin, diese Linie zu fahren.“

Am Tag eins der Schließung des Streckenabschnitts sieht die BVG keinen Anlass zur Sorge. „Es läuft alles in geregelten Bahnen. Beschwerden hat es bei uns noch nicht gegeben“, sagt BVG-Sprecher Klaus Watzlak. Natürlich sei es bedauerlich, dass der Bahnhof Gleisdreieck nicht behindertengerecht ist und der Umsteigebahnhof Wittenbergplatz nur teilweise. „Wir bieten den Kunden an, sich bei uns über eine Alternativroute zu informieren.“ Dies können Passagiere unter der Service-Telefonnummer 19449 tun.

Am Wittenbergplatz stehen fußlahme Fahrgäste oder solche mit Gepäck oder Kinderwagen, die hier wieder in die U1 in Richtung Uhlandstraße umsteigen, ebenfalls vor einer steilen Treppe: Der Bahnsteig III ist nur über diese zu erreichen. Eine Touristin rumpelt die Stufen mit ihrem schweren Koffer und einer Reisetasche hoch. „Ein Fahrstuhl fehlt? Stimmt“, sagt sie. Darüber habe sie noch gar nicht nachgedacht.

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