Berlin : Treppenstufen in die Vergangenheit

„Silberne Halbkugel“ fürs Babylon

Michael Zajonz

Der 1990 gegründete Trägerverein „Berliner Filmkunsthaus Babylon“, der die denkmalgerechte Sanierung des Hauses am Rosa-Luxemburg-Platz begleitet hat und es nun als Programmkino betreibt, wird heute im Roten Rathaus mit der „Silbernen Halbkugel“ ausgezeichnet. Mit dem höchsten Denkmalpflege-Preis der Bundesrepublik ehrt das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz herausragende Leistungen bei der Erhaltung des baulichen Kulturerbes.

Kein Geringerer als Hans Poelzig errichtete das Babylon 1928/29 als Stummfilmkino. 1200 Besucher lauschten zur Eröffnung mit Paul Czinners „Fräulein Else“ den Klängen der Kinoorgel. Das von 1996 bis 2001 schrittweise restaurierte Kino bietet heute noch rund ein Drittel der einstigen Zuschauerplätze. Wer sich heute im großen Saal zurücklehnt, hat längst keinen lupenreinen Poelzig mehr vor sich. 1948 wurde er mit vergoldeten Stuckgesimsen als Premierenkino für Sowjetfilme hergerichtet. Was die Akustik verbessern sollte, geriet zur leicht hybriden Wohnzimmergemütlichkeit für gestresste Werktätige. In Abstimmung mit der Denkmalpflege entschied sich Architekt Klaus Meyer-Rogge dafür, auf die Rekonstruktion der berühmten Raumfassung von 1929 zu verzichten, den bröckelnden DDR-Charme zu restaurieren und modern zu ergänzen. Im Foyer wurde hingegen Poelzigs doppelläufige, filmreife Treppe wiederhergestellt. Im satten Akkord von Gelb, Grau, Orange und Braun erzählt der Raum vom Fest, das einst das Kintopp war. Michael Zajonz

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