Berlin : Treptow: Industrielandschaft mit Kaserne

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Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Treptow weitgehend Waldgebiet. Südlich des heutigen Lohmühlenplatzes und der Bouchéstraße begann eine von Gräben und Bächen durchzogene Niederung, die parallel zur Spree verlief. Durch den feuchten Boden war es sehr teuer, hier Häuser zu bauen, weil Erde aufgeschüttet werden musste.

Die wirtschaftliche Nutzung beschränkte sich zu jener Zeit auf zwei Lohmühlen, in denen Eichen- und Fichtenrinde für die Lohgerberei zermahlen wurde. Um 1842 entstanden die ersten Wege in diesem Gebiet. Sie sind allerdings mit den heutigen Straßen nicht vergleichbar und wurden teilweise noch jahrelang von Anliegern überpflügt. Der südwestliche Teil der Bouchéstraße erregte noch bis 1905 die Gemüter. Im damaligen "Tageblatt" war folgende Beschwerde zu lesen: "Die Bouchéstraße ist die einzige Straße, die dicht vor den Toren Berlins nicht gepflastert ist, sich auch nur im vorderen Teil einer Beleuchtung erfreut und bei Regenwetter im Frühjahr und Herbst unpassierbar ist." Fuhrleute weigerten sich durchzufahren, weil sie oft im Schlamm steckenblieben.

Zwischen dem Lohmühlenweg und der Eisenallee hatten sich inzwischen mehrere Gärtnereien angesiedelt. Durch den Bau des Teltowkanals um 1900 sank der Grundwasserspiegel, und das Gebiet begann auszutrocknen. In dieser Zeit wurden die ersten mehrgeschossigen Häuser und Industrieanlagen gebaut. Unternehmen wie die "Actiengesellschaft für Anilin-Fabrikation" Agfa, eine Lederfabrik, Betriebe zur Herstellung von Laternen, Lampen und nachrichtentechnischen Geräten produzierten dort. Während der beiden Weltkriege konzentrierten sich im Norden Treptows Betriebe der Rüstungsindustrie. Im Norden der Bouchéstraße befinden sich Kasernenkomplexe aus dem Jahre 1908. Seit 1962 saß dort die 2. Grenzbrigade "13. August". Zur Zeit werden die Häuser saniert, die inzwischen das Bundeskriminalamt nutzt.

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