Treptow : Rollerblader: Tiefflieger auf acht Rollen

Geradeaus fahren? Nö. Beim „Winterclash“ springen die weltbesten Rollerblader durch die Arena in Treptow.

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Immer schön mit Helm. Der Sport hat mit Skaten auf dem Radweg eher wenig zu tun. Hier trickst einer bei der Messe „You“. Foto: ddpddp

Vorm Skaten muss man erstmal Englisch lernen. „Wenn man ein Rail grindet, kann man dabei einen Pornstar machen“, sagt Johannes Jacobi ernsthaft. Er zeigt auf eine Metallstange, die wie ein Geländer an einer Rampe angebracht ist. Aber für Leute, die etwas zum Festhalten brauchen, ist die Konstruktion nicht gedacht: „Das ist ein Rail“, erklärt der schlaksige 25-Jährige. Da springen die Jungs und Mädels rauf und rutschen mit den Inlinern auf dem Geländer entlang, das nennt sich „grinden“. Und der englische Begriff „Pornstar“ meint eine Pose, bei der man die rechte Fußspitze im rechten Winkel an die linke Ferse setzt.

Johannes Jacobi steht in der Arena in Treptow. In der 7000 Quadratmeter großen Halle treten sonst Bands wie Arctic Monkeys oder Culcha Candela auf. Jacobi jedoch hat sie zur größten Skaterhalle der Stadt umfunktioniert, mit Stangen, Rampen, Halfpipes – allerdings nur für zwei Tage: Am Freitag und Sonnabend findet dort der weltweit größte Rollerblading-Wettbewerb statt, der „Winterclash 2010“. Veranstalter Jacobi hofft auf 3000 Zuschauer. 300 Amateurskater und 30 Profis, darunter der Weltmeister aus Amerika, rasen über die Rampen. Sie kommen aus 36 Ländern. „Die besten der Welt“, sagt Jacobi.

„Aggressive Inline“ heißt ihre Sportart. „Das hat nichts mit Inlineskaten auf dem Radweg zu tun“, sagt Jacobi. Die anderen Sportler und er sind übers simple Geradeausfahren hinaus. Stattdessen hüpfen sie mit acht Rollen unter den Füßen hoch in die Luft, drehen sich dort in allen Variationen. Oder sie sausen eben als Pornostar das Geländer herunter. „Es gibt viele stupide Namen für die Tricks.“ So nennt Jacobi all die Kunststücke, die er und die anderen Skater beherrschen. Der 25-Jährige selbst trainiert, seit er mit elf Jahren die ersten Plastik-Inlineskates bekommen hat. Inzwischen war er zwei Mal deutscher Meister und hat zuletzt den wichtigsten schwedischen Wettkampf gewonnen.

In der Treptower Arena testet er jetzt zwar als erster die Rampen und Halfpipes, aber bei den Wettbewerben fährt er nicht mit. Denn inzwischen macht ihm das Organisieren der Veranstaltung noch mehr Spaß, als das Skaten. Zum sechsten Mal veranstaltet er einen „Winterclash“, bisher in den größten Skatehallen Deutschlands, in Aurich und Mühlhausen. In diesem Jahr hat sich Jacobi erstmals für Berlin entschieden. Schließlich lebt der Dresdner seit einem Jahr in Friedrichshain.

Die Zuschauer und Helfer jedoch kommen aus der ganzen Welt, die „Szene“ hält zusammen. „Mich fasziniert einfach Subkultur“, sagt Jacobi. „Auch Skateboarden, BMX und Snowboarden.“ Das gab es zuletzt schon auf dem Flughafen Tempelhof bei dem Event „Freestyle Berlin“. Zur „Subkultur“ gehört auch die passende Musik: Abends wird in der Arena gefeiert – mit Hip-Hop, Elektro und Dubstep. Und die Sportler zählen ihre blauen Flecken. Allzu viel passiere bei seinen Veranstaltungen nicht, versichert Jacobi. Schließlich müssen alle einen Helm tragen. Aber sein eigener Körper habe bei anderen Wettbewerben schon ziemlich gelitten: Die meisten Knochen hat er sich schon mal gebrochen. Sogar seinen Schädel.

Arena Treptow, Eichenstraße 4, Freitag ab 11 Uhr, Sonnabend ab 10 Uhr, Partys jeweils ab 22 Uhr, Karten 7–35 Euro, Informationen unter www.winterclash.com

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