Berlin : Treptow: Ruhe im Schlesischen Busch

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Er gehört zu den letzten seiner Art, der Wachturm am Schlesischen Busch an der Grenze zu Kreuzberg: Künstler retteten ihn nach dem Mauerfall, verwandelten ihn in ein "Museum der verbotenen Kunst". Später wollte ihn der Tourismusverein des Großbezirks weiterbetreiben, nachdem sich die Künstlerinitiative des Museums aufgelöst hatte. Im Januar schlossen sich die Türen des Turms, der unter Denkmalschutz steht. Doch die Übernahme ist ins Stocken geraten. Und tatsächlich ist es derzeit fraglich, ob der Grenzwachturm an der Puschkinallee wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Der Verein hatte zwar Ende vergangenen Jahres angekündigt, das Museum nach eigenen Vorstellungen weiterzuführen, doch der Vertragsabschluss mit dem Bezirksamt ist zunächst in die Ferne gerückt.

"Die uns angebotenen Konditionen entsprachen nicht unseren Vorstellungen", sagt Pressesprecher Michael Diehl kurz. Das Risiko sei für den Verein zu groß gewesen, deshalb habe man einen Rückzieher gemacht. Nähere Einzelheiten wolle er nicht mitteilen. Auch wenn Kulturstadträtin Eva Mendl (PDS) jetzt vor der Bezirksverordnetenversammlung verkündete, der Bezirk habe bereits einen anderen Betreiber im Visier, scheint es für den Tourismusverein doch noch eine Chance zu geben. Denn Baustadtrat Dieter Schmitz (SPD) erklärte sich bereit, neu zu verhandeln. Aus seiner Sicht sei der Knackpunkt die in dem Papier vorgeschlagene jährliche Kündigungsfrist gewesen. "Darauf werden wir aber nicht bestehen", sagt er. Vielmehr seien auch fünf und zehn Jahre denkbar. Das habe er auch dem Tourismusverein mitgeteilt, der sich dazu spätestens in 14 Tagen äußern solle.

Diehl begrüßt die Gesprächsbereitschaft des Bezirks. Gleichzeitig kritisiert er aber, dass Schmitz in der Vergangenheit mehrmals Termine absagen musste. Sollte es zu einer Einigung kommen, will der Verein den denkmalgeschützten Turm am 13. August - dem Tag des Mauerbaus - wieder öffnen. Bis dahin gibt es allerdings jede Menge zu tun. Das Dach, Regenrinnen und Fundament sind reparaturbedürftig. 20 000 Mark würde das Bezirksamt von Treptow-Köpenick zur Renovierung beisteuern.

Nach den Vorstellungen des Tourismusvereins sollen im Turm auch künftig Ausstellungen laufen, die an die Teilung Deutschlands erinnern. Geplant ist unter anderem, einige Stücke der Schau "Geteilte Nachbarschaft - Erkundungen im ehemaligen Grenzgebiet" als Dauerleihgabe des Treptower Heimatmuseums am Schlesischen Busch zu zeigen.

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