Berlin : Tresenreife

Bernd Matthies

setzt neue bildungspolitische Schwerpunkte Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir – das ist Konsens über alle Pisa-Studien hinweg. Und mal ehrlich: Dreisatzrechnung, dafür haben wir Computer oder Handy, und wenn es uns statt nach Mallorca ausgerechnet mal in die deutschen Mittelgebirge verschlägt, dann kaufen wir halt einen Reiseführer, nicht wahr? Womit der Nutzen von Mathe und Erdkunde schon sehr relativiert wäre.

Für das Leben müssten wir ganz andere Dinge lernen. Zum Beispiel: Wo ist beim Bierglas oben? Wie gibt man unfallfrei möglichst wenig Trinkgeld? Und wie labert man einen Thekennachbarn sachgemäß mit allerhand Verschwörungstheorien zu? Sehen Sie: Das ist wichtig. Und deshalb ist es gut, dass die Eltern der Reinickendorfer Hausotter-Grundschule jetzt den immer wieder ausgefallenen Unterricht in eine Kneipe verlegt haben.

Dass dort aber eine eigens angeheuerte Studentin Erdkunde und Mathe unterrichtet, kann nur ein Übergangsstadium sein. Denn es konterkariert die Bemühungen der Schulverwaltung, den überflüssigen Unterricht in veralteten Wissensfächern nach und nach auslaufen zu lassen, und weckt unnütze Illusionen über Karriere und Berufsweg. Abitur als höhere Tresenreife – das könnte sich zum kommenden deutschen Bildungsmodell entwickeln.

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