Berlin : Trickser ausgetrickst

Das neue Konzept der Polizei gegen Hütchenspieler scheint zu greifen: Gestern war keiner zu sehen

Jörn Hasselmann

Die Polizei hat den Hütchenspielern erfolgreich das Osterfest verdorben. Durch verstärkte Präsenz in Uniform und in Zivil gelang es, die Betrüger fast vollständig aus Mitte zu vertreiben. Nachdem gestern Vormittag noch ein Jugoslawe festgenommen worden war, gab es Unter den Linden und auf der Karl-Liebknecht-Straße keine der Gruppen mehr zu sehen.

Seit vielen Jahren stand die Polizei mehr oder weniger hilflos vor dem Phänomen Hütchenspiel – jetzt könnte der Kampf gegen die Kriminellen gewonnen werden. Der Hütchenspielexperte der Polizei, Oberkommissar Peter Hirth, sagte gestern, dass gegen die Spieler mit einem neuen Instrument vorgegangen werde, der sogenannten Aufenthaltsverbotsverfügung. So sperrig der Name, so wirkungsvoll ist sie. Bereits fünf Hauptpersonen der Szene dürfen sich nicht mehr an touristischen Orten im Bezirk Mitte sehen lassen. Verstoßen sie dagegen, kostet sie das 1000 Euro. Beim zweiten Verstoß sind 2000 Euro fällig – und so weiter. Die Verfügung werde nur gegen die echten Spieler verhängt, sagte der Kommissar. Denn die hätten eine harte Ausbildung hinter sich, um derart geschickt zu betrügen. Bei den „Anreißern“ und „Aufpassern“ lohne sich das nicht. Jede „Gruppe“ bestehe aus bis zu zehn Personen, alle kämen sie aus dem Kosovo, Albanien und Mazedonien.

Zudem sei, so lobt Hirth, seit dem letzten Jahr die Rechtsprechung wesentlich verschärft worden. Jetzt gilt das Hütchenspiel automatisch als Betrug, zuvor konnten Richter dies auch als (erlaubtes) Glücksspiel einstufen. „Wir überziehen die Spieler seitdem regelrecht mit Strafanzeigen“, sagte Hirth. Jetzt gilt: Hat ein Opfer Geld verloren, ist das Betrug.

Und es wird viel verloren: 2006 registrierte der Abschnitt 32, der für die Karl-Liebknecht-Straße und die Linden zuständig ist, einen Schaden von 30 000 Euro. Dies sei jedoch nur ein Bruchteil der Realität, sagt Hirth. Die meisten Touristen scheuten Scherereien und Zeitverlust durch eine Anzeige, andere schämten sich auch. „Wir müssen den Opfern regelrecht hinterherlaufen“, sagt er. Durchschnittlich verliert jedes Opfer 294 Euro. Denn nach dem Start mit 50 Euro werde der Einsatz schnell gesteigert, häufig auf 500 Euro. Eine Gruppe könne pro Stunde bis zu fünf Touristen abkassieren – macht also bis zu 1500 Euro.

Obwohl alle, auch Touristen aus dem entferntesten Dorf, wüssten, dass Hütchenspiel Betrug sei, würden die Betrüger immer neue Opfer finden, sagt Hirth. „Bei den Leuten siegt die Gier, sie wollen klüger sein als die Spieler.“ Zudem seien die Betrüger regelrechte „Entertainer“, wenn es darum gehe, Opfer anzulocken. Wie berichtet, investiert die Polizei auch viel Mühe in die Prävention: Überall in der Stadt liegen Warnungen aus, am Fernsehturm gebe es sogar Lautsprecherdurchsagen. Ein Phänomen sei, dass die Betrüger nur in diesem Teil von Mitte tätig seien. „Entweder sie sind zwischen Dom und Alex oder sie sind nirgendwo. Am Potsdamer Platz oder am Hackeschen Markt waren sie noch nie.

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