Berlin : Trinkbeutel und Plastikflaschen

Vor allem Kitas und Altenheime werden mit Notfall-Rationen versorgt Gesteigerte Nachfrage in Supermärkten und Getränkeläden

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Wasser in Tüten. Vor dem Spandauer Rathaus ließen die Wasserbetriebe sogenannte Notfallbeutel verteilen. Viele Passanten deckten sich mit dem Gratis-Wasser ein. Foto: dapd/Theo Heimann
Wasser in Tüten. Vor dem Spandauer Rathaus ließen die Wasserbetriebe sogenannte Notfallbeutel verteilen. Viele Passanten deckten...Foto: dapd

„Uns haut das nicht um“, sagt Martina Hinz. Die Leiterin der Kita Vogelnest in der Spandauer Galenstraße bringt so schnell nichts aus der Ruhe – auch nicht das von Kolibakterien verdreckte Trinkwasser im Norden Spandaus. Rund 40 Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren stehen am Freitagvormittag unter ihrer Obhut. Sie sind besonders durch das verunreinigte Wasser gefährdet, doch die 50-Jährige bleibt ruhig.

Um 6.30 Uhr sei sie vom Gesundheitsamt informiert worden, nun befolge sie alle Vorsichtsmaßnahmen, erzählt Hinz. Das Wasser werde fünf Minuten lang abgekocht, das Zähneputzen falle aus. „Wenn die Kinder sich waschen, müssen wir darauf achten, dass sie kein Wasser trinken“, sagt die Erzieherin.

Die Berliner Wasserbetriebe verteilten Wasserrationen an Kitas, Altenheime und rund ums Rathaus Spandau; auch Handzettel wurden ausgegeben. Die kostenlosen Notfallbeutel umfassten jeweils 1,5 Liter, sagte ein Sprecher. Die Kita Vogelnest hatte bis zum Nachmittag keine Trinkbeutel bekommen.

Wie schon am Donnerstag eilten auch am Freitag viele Spandauer in Getränkeläden und Supermärkte, um sich mit Wasserreserven einzudecken. In einem Markt in der Galenstraße zum Beispiel bildeten sich lange Schlangen vor den Kassen: In fast jedem Wagen lagen ein paar Flaschen stilles Mineralwasser. Für die Filialleitung des Supermarktes kam die gesteigerte Nachfrage nach den Meldungen des Vortags nicht überraschend. Vorsorglich sei mehr Wasser bestellt worden als gewöhnlich, hieß es. In einem anderen Supermarkt habe es am Donnerstagabend kein Wasser mehr gegeben, sagt Cornelia Schulz, während sie ihren Einkaufswagen in Richtung der Paletten schiebt, auf der sich die Wasserflaschen stapeln. Vor allem für die Kinder sei das dreckige Wasser gefährlich, sagt die 55-Jährige und tätschelt dabei ihrem einjährigen Enkel, der im Einkaufswagen sitzt, den Kopf. Ihr Mann Hartmut hievt derweil drei Sechserpacks in den Wagen. Der 59-Jährige sieht das Ganze gelassener: Gestern habe er Leitungswasser getrunken. Und nichts sei passiert, sagt er achselzuckend. Seine Frau hingegen macht sich Sorgen: „Hartmut, eine Packung nehmen wir noch.“

In der Notaufnahme des Vivantes- Krankenhauses in der Neuen Bergstraße herrschte indes gähnende Leere. „Bisher haben wir keine Patienten aufgenommen, deren Erkrankungen durch das dreckige Wasser verursacht wurden“, teilte eine Sprecherin mit. Da es sich wahrscheinlich nicht um einen ansteckenden Keim handele, müssten Vorfälle auch nicht dem Amtsarzt gemeldet werden.

Eine Apotheke in der Neuendorfer Straße verzeichnete keine gesteigerte Nachfrage nach entsprechenden Medikamenten . Nur ein Kunde habe gefragt, wie er Kaffee kochen solle. Der Mitarbeiter einer anderen Apotheke hatte sich noch gar nicht informiert: „Ich höre davon zum ersten Mal“, sagte er. Björn Stephan

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