Berlin : Trinken im Labor verboten

Nach dem Giftanschlag: Charité erinnert an Regeln

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Auch nach dem Giftanschlag auf einen Arzt in der Charité hat die Klinikumsleitung die Sicherheitsvorkehrungen in den betroffenen Laboren nicht verschärft. „Wir müsse dort noch arbeiten können“, sagt der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, Ullrich Frei. Man habe den Laborbeschäftigten jedoch eine Regel ins Gedächtnis gerufen, die in Vergessenheit geraten sei: In Laboren dürfe weder gegessen noch getrunken werden. Wie berichtet hatte am 5. März der Kardiologe Felix M. in einem Labor des Biomedizinischen Forschungszentrum auf dem Gelände des zur Charité gehörenden VirchowKlinikums vergiftetes Mineralwasser getrunken. Der 36-Jährige leidet noch immer unter den Folgen des Anschlages mit einer Laborchemikalie.

In den verschiedenen Laboren des dreistöckigen Forschungszentrums arbeiten zwischen 200 und 300 Menschen. Der Kreis der Personen, die Zutritt zu den Laboren haben müssen, ist also sehr groß. Aber: „Hier kann nicht jeder hinein“, sagt Frei. Die Türen seien durch Schlüssel oder Magnetkartenleser vor dem Zutritt Unberechtigter geschützt. Und diejenigen, die nicht mehr in den Labors arbeiteten, müssten die Schlüssel und Karten zurückgeben. „Aber ich kann natürlich nicht ausschließen, dass das in der Vergangenheit mal vergessen wurde.“

Die Räume in dem Forschungstrakt sind unterschiedlich gesichert. Es gibt Hochsicherheitslabore, in denen mit gefährlichen Chemikalien oder Erregern experimentiert wird. Auch der Raum für Tierversuche ist streng abgeschirmt. Das Labor, in dem der Anschlag geschah, war jedoch wesentlich schwächer gesichert.

Der Kardiologe forschte dort seit zwei Jahren. Der Arzt habe neben seiner Forschung auch Patienten behandelt, sagt Frei. Die Ermittler suchen den Täter jedoch im beruflichen Umfeld von M.

Das Gift ist eine in Laboren häufige Chemikalie aus der Gruppe der Polyacrylamide. Sie ist farb- und geruchlos, hat aber einen bitteren Geschmack. Die Substanz sei in einem verschlossenen Kühlschrank gelagert worden, sagt Frei. I.B.

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