Berlin : Trockene Luft

Elisabeth binder

wünscht sich ein neues Picknick mit Musik Ein halber Liter Wein in der Plastikflasche war diesmal noch gestattet. Als letzter Rest der champagnerseligen Picknickstimmung, die sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten alljährlich zum Abschlusskonzert der Philharmoniker in der Waldbühne ausbreitete. Die Berliner Luft ist trocken geworden, zu viel Feuchtes im Proviantkorb nicht mehr erlaubt. Die alljährliche Picknick-Party des Berliner Bürgertums hat sich unter den zunehmenden Einschränkungen langsam erdrücken lassen. Die Schmerzgrenze ist mittlerweile erreicht. Das immer ausverkaufte Philharmoniker-Konzert in der Waldbühne wird seinen Kultcharakter trotzdem behalten, denn es ist, wie Simon Rattle es ausdrückte, ein großes Familienereignis. Aber wenn der verordnete Trend zur schmalen Kost anhält, werden die Zuhörer künftig optisch den schmalen Würstchen ähneln, deren Verzehr der verbleibende Platz gerade noch erlaubt.

Es klafft also eine Lücke für eine neue Veranstaltung mit Kultpotenzial. Vielleicht muss einfach ein neuer Ort her. Das New Yorker Vorbild „The Met in the Park“ – das jährliche Freiluftkonzert der Metropolitan Opera im Central Park – könnte den Berliner Opern neue Fans erschließen und dem Picknick zu Musik zu neuen Höhenflügen verhelfen. Direkt neben dem Potsdamer Platz wirkt der Tiergarten besonders wild verlockend zum gleichzeitigen musikalischen und kulinarischen Schwelgen. Der nächste Sommer kann nur besser werden.

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