Trockenheit : Grillen bleibt im Tiergarten verboten

Die Fanmeile wird abgebaut, der Park gehört wieder den Berlinern. Doch die Trockenheit macht der Natur zu schaffen. Deshalb bleibt Grillen zunächst verboten.

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Grillen bleibt im Tiergarten verboten - und das wird auch kontrolliert.
Grillen bleibt im Tiergarten verboten - und das wird auch kontrolliert.Foto: dpa

Vereinzelt auf dem Boden liegende Deutschlandfähnchen, Plastikbecher und ein paar Bauzäune – das ist alles, was noch an die Fanmeile erinnert, wo am Wochenende noch hunderttausende Menschen feierten. Seit Mittwochmorgen rauschen im Tiergarten wieder Radler an Touristengruppen vorbei, Inlineskater gleiten über den Asphalt, Jogger schwitzen auf den Parkwiesen. Kinder springen in den erfrischenden Strahl der Rasensprenger und im Schatten der Bäume entspannt sich ein Pärchen auf einer Picknickdecke. Mehr als drei Wochen war der Park zwischen Großem Stern und Yitzhak-Rabin-Straße wegen der WM-Fanmeile von Bauzäunen umringt und nur eingeschränkt geöffnet. Radfahrer mussten außenrum fahren, die Weinflasche fürs Picknick draußen bleiben. Damit ist nun Schluss: Seit gestern gehört der Große Tiergarten wieder den Berlinern. Nur grillen dürfen sie immer noch nicht.

Ursprünglich sollten die Rauchschwaden der Grills am kommenden Sonnabend wieder über die Wiesen ziehen. Wegen der Trockenheit und der damit verbundenen Waldbrandgefahr verlängerte Mittes Bezirksstadtrat Stephan von Dassel aber das Grillverbot um vier Wochen bis zum 13. August. „Das gesamte Unterholz ist trocken und die selbstentzündlichen Pappelsamen fangen leicht Feuer. Es hat sechs Wochen nicht geregnet, da reicht ein kleiner Funke, um einen Flächenbrand auszulösen“, sagt Jürgen Götte vom Grünflächenamt Mitte. Sollte es allerdings in den kommenden Tagen und Wochen genug regnen, soll das Grillverbot früher wieder aufgehoben werden. „Das Verbot ist nur temporär und leitet kein schleichendes ganzjähriges Grillverbot ein“, tritt von Dassel entsprechenden Vorwürfen entgegen. Den Boden so stark wässern, dass Grillen gefahrlos möglich ist, könne man nicht. Im Schnitt bekomme derzeit jeder Quadratmeter im Park 20 Liter Wasser am Tag. Trotzdem sind die Wiesen verdorrt.

Nicht nur die Hitze schädigt den Tiergarten, auch die Besucher der Fanmeile haben Spuren hinterlassen. In die Hecke entlang der Straße des 17. Juni haben Fans an vielen Stellen Löcher getrampelt, auch der dahinterliegende Zaun wurde teilweise umgetreten. Grünflächenamt und Veranstalter halten alle Schäden auf Fotos und Videos fest. Die vorläufige Schadensbilanz: 220 000 Euro müssen in Renaturierung und Reparatur fließen. Hinzu kommen 80 000 Euro für die Reinigung, sagt Götte. Die endgültige Schadenssumme soll am Freitag dem Senat berichtet werden. Dann geht es an die Reparaturen, sie sollen am Dienstag an Ort und Stelle besprochen werden. Mit Blick auf die Schäden sagt Götte: „Großveranstaltungen sind tödlich für den Tiergarten.“ Er fordert künftig mehr Sicherheitsmaßnahmen wie eine durchgehende Reihe Bauzäune vor der Hecke.

Für Autos soll die Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und Yitzhak-Rabin-Straße ab Freitagmorgen um 0 Uhr wieder freigegeben werden.

Die nächsten Großveranstaltungen und Sperrungen der Straße des 17. Juni sind bereits in Sicht: Am 26. und 27. September führt der Berlin-Marathon auch durch den Tiergarten, und vom 1. bis 3. Oktober verwandelt sich die Ost-West-Achse zum Volksfest, wenn die Deutsche Einheit 20 Jahre alt wird.

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