Berlin : Trödelei beim neuen Kanzleramt erspart dem Bund neun Millionen

CHRISTIAN VAN LESSEN

BERLIN .Wegen der Verzögerungen beim Bau des Bundeskanzleramtes im Spreebogen hat die Bundesbaugesellschaft Berlin (BBB) gegenüber einer Arbeitsgemeinschaft von Baufirmen, der "Arge 2", eine Vertragsstrafe von neun Millionen Mark geltend gemacht.Sollte sich der Anspruch durchsetzen lassen, könne sich der Kostenrahmen von knapp unter 400 Millionen Mark verbessern.Der Rahmen gilt als so knapp, daß bereits "alle umsetzbaren Einsparungen in Betracht gezogen werden", heißt es in einem internen Papier.So muß Bundeskanzler Gerhard Schröder vermutlich auf Belüftungsanlagen verzichten, die sein Vorgänger Helmut Kohl noch für unabdingbar hielt.

Der Verzicht auf die Raumluftanlage in der Eingangshalle des Leitungsgebäudes soll rund 800 000 Mark einsparen; wird der Vorschlag umgesetzt, auf Belüftungsanlagen für die Büros in den Verwaltungstrakten zu verzichten, könnten weitere zwei Millionen Mark gespart werden.Verzichtet werden soll auf doppelflügelige und mit Lamellen ausgestattete Bürotüren "zugunsten einfacherer und geschlossener Ausführungen" - was mehr als eine halbe Million Mark einspart.Und der Plan, auf Weißbeton-Vordächer im Außenbereich zu verzichten, kann zusätzlich eine Million Mark sparen.

Waren bislang für die Bau-Verzögerung nur technische Gründe angegeben worden, so ist in dem internen Bericht auch von Management-Fehlern bei Baufirmen die Rede.Der ursprüngliche Vertragsterminplan, nach dem der Rohbau in diesen Tagen hätte fertiggestellt werden sollen, sei durch "schlechte Arbeitsvorbereitung und zu gering angesetzte Kapazitäten der Arge 2" zunehmend in Zweifel gezogen worden worden.Der jetzt zugesagte Termin frühestens Ende April 1999 basiere auch auf einem Personenwechsel beim Baumanagement der Arge.Die BBB sprach gestern im Zusammenhang mit der Neun-Millionen-Forderung von einem schwebenden Verfahren.Weil sich die Verzögerungen vermutlich nicht aufholen lassen, wird mit der Fertigstellung frühestens im April 2000 gerechnet, bis zum Dienstbetrieb dauert es bis Spätsommer.

Die Dienstwagen der Minister werden auf dem Hof geparkt

Pflegeleicht soll es beim ersten Auftritt der Bundesregierung in Berlin zugehen.Im Zusammenhang mit der Kabinettssitzung am Mittwoch im Staatsratsgebäude soll es keine großen Beeinträchtigungen geben.Laut Presse- und Informationsamt der Bundesregierung sind weder Absperrungen noch Umleitungen geplant.Vorgesehen sei, daß die Kabinettsmitglieder am Morgen vor dem Hauptportal vorfahren.Anschließend sollen die Dienstwagen und auf dem Hof geparkt werden.Die Sitzung im Diplomatensaal wird voraussichtlich bis 13.30 Uhr dauern.Während dieser Zeit ist das Haus für den Publikumsverkehr aus Sicherheitsgründen geschlossen.Derzeit besuchen täglich rund 2000 Menschen das Gebäude.

Bereits am Dienstag abend trifft Kanzler Schröder die Ministerpräsidenten der Ost-Länder im Senatsgästehaus in der Pücklerstraße in Dahlem.

Nach Einschätzung der Flughafenholding wird es im Zusammenhang mit der ersten Kabinettssitzung in Berlin nicht zu Behinderungen anderer Passagiere kommen. brun / kt

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