Berlin : Trompeten-Meister mit Federkrone

Wenn die Kraniche im Zoo balzen, hört man das kilometerweit Ergebnis der Vogelhochzeit: zwei Eier – eines davon schiebt man Hühnern unter

Heidemarie Mazuhn

Sie stelzen anmutig durch ihr Revier im Zoo, auf dem Kopf wippen zarte strohgelbe Federn. Wie eine Krone sieht das aus – das gab den schwarzweiß gefiederten Vögeln auch ihren Namen. Kronenkraniche, aber auch Pfauenkraniche werden sie genannt.

Daheim sind sie in Afrika – in Uganda schmücken sie gemeinsam mit einer Gazelle sogar das Staatswappen. Und in zoologischen Gärten stehen sie neben Tigern, Giraffen und Löwen auf der Rangliste der zehn Tierarten, die jeder Besucher dort unbedingt erwartet. Dies aus gutem Grund – Kronenkraniche gehören zu den elegantesten Tieren überhaupt.

Im Zoo machen sie gerade richtig viel Wind, wie der Berliner sagt. Die Mitarbeiter, die nahe den Kronenkranichen wohnen, können ein Lied davon singen. Ab Frühjahr bis weit in den Sommer hinein ist Action bei den langbeinigen Afrikanern – die Kronenkraniche springen mit weit ausgebreiteten Flügeln „tanzend“ umher und trompeten dabei. Nicht nur morgens, auch nachts gehen sie hörbar diesen eindrucksvollen Balzritualen nach. Zur Brutzeit – Eiablage ist ab Juni – sind sie dann nicht leiser: die schmetternden Rufe kann man kilometerweit hören. Eine körperliche Besonderheit ermöglicht den Tieren ihr lautstarkes Gehabe: Ihre Luftröhre ist nicht nur verlängert, sie ist auch in Windungen gelegt und bei einigen Kranicharten fast bis zur Hälfte in den erweiterten Hohlräumen des Brustbeins eingelagert.

Als Ergebnis der Balztänze liegen dann irgendwann durchschnittlich zwei Eier im Gelege der Kronenkraniche. Der Feind für die Brut lauert dabei im eigenen Nest. Zeigt sich doch das darin erstgeschlüpfte Küken oft nicht sehr geschwisterlieb – schnöde bringt es das jüngere um. Die erwachsen sehr geselligen Tiere sind als Küken regelrecht aggressiv. Kaum, dass sie stehen können, gehen sie sich an den Kragen. Erst nach den ersten 14 Lebenstagen werden sie ruhiger.

Ihre Zucht ist da nicht so einfach, im Zoo gelang sie erstmals 1976. Um das zweite Ei zu retten, schiebt man es den Hühnern unter. Handaufzucht der Kronenkraniche ist dabei nicht sehr beliebt. Betrachten die Jungtiere die jeweilige Pflegeperson doch als Artgenossen und hacken ihr auch schon mal nach den Augen. Und da Kronenkraniche auch Nestflüchter sind, die viel laufen, muss der Pflegevater das eben auch.

Im Zoo war das 1976 Rudolf Reinhard. Zwei Jungtiere hat er damals aufgezogen. „Um die habe ich mich mehr gekümmert als im gleichen Jahr um unser erstes Kind“, erinnert sich der Zoologe. Ein Gutes hatte es aber auch – die Aufzucht der Kronenkraniche war der richtige Stoff für Reinhards Diplomarbeit.

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