Berlin : Tropische Welten mit Energieproblem

Das Victoria-Haus im Botanischen Garten ist seit Jahren geschlossen Jetzt ist die Sanierung in Sicht. Diese soll vor allem Heizkosten einsparen.

Eva Steiner
Zartes Pflänzchen. Die Sanierung der Gewächshäuser im Botanischen Garten soll vorangehen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Zartes Pflänzchen. Die Sanierung der Gewächshäuser im Botanischen Garten soll vorangehen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Berlin - Auf den bis zu zwei Meter großen Schwimmblättern konnten Kleinkinder sitzen ohne unterzugehen. Doch dass die tropischen Riesenseerosen im Victoria-Haus zahlreiche Pflanzenfreunde anlockten, ist schon mehrere Jahre her. Seit 2006 ist das denkmalgeschützte Gewächshaus im Botanischen Garten eine Bauruine und geschlossen. Jetzt soll es mit Landesmitteln und Geld aus einem Umweltprogramm komplett saniert werden. Außerdem ist geplant, von den insgesamt zehn Millionen Euro das Wärmenetz des Hauses energetisch zu sanieren und das Gewächshaus C zwischen Großem Tropenhaus und Neuem Glashaus statisch zu sichern. Denn bei Windstärken ab acht müssen die Häuser B und C mit ihren Begonien und tropischen Nutzpflanzen derzeit zur Sicherheit geschlossen werden. Der Beginn der Sanierung ist für den kommenden Herbst oder das nächste Frühjahr, die Fertigstellung bis Anfang 2015 geplant.

„Zurzeit haben wir unter anderem noch ein Windgutachten für das Victoria-Haus in Auftrag gegeben. Anfang Mai wissen wir dann genau über alle notwendigen und möglichen Sanierungsschritte Bescheid“, sagt Karsten Schomaker, Bereichsleiter für Technik und Umwelt. Denn das rund 100 Jahre alte Victoria-Haus mit seinen durchfeuchteten Wänden und vielen kaputten Scheiben macht den Planern Sorgen: Der energietechnische Zustand entspricht dem der Nachkriegszeit. Vor 2006 war es mit seinen Wasserbecken für die tropischen Sumpf- und Wasserpflanzen einer der größten Energieverschwender des Botanischen Gartens. Da die Pflanzen nur bei Wassertemperaturen von mindestens 28 Grad gedeihen, muss die Lufttemperatur noch um etwa vier Grad darüber liegen, damit die Scheiben des Gewächshauses nicht beschlagen. Allerdings heizt bereits die Märzsonne das Haus so weit auf, dass tagsüber die Türen geöffnet werden müssten. Nachts wiederum geht es ohne Heizen nicht.

Dass sich energetische Umbauten lohnen, zeigt die Bilanz für das Jahr 2011 nach der im Herbst 2009 abgeschlossenen Sanierung des Großen Tropenhauses für 16 Millionen Euro: Mehr als 70 Prozent Primärenergie konnten laut Schomaker eingespart werden. Der vergangene milde Winter habe zusätzlich zur Senkung des Energieverbrauches beigetragen. So konnte das dringend benötigte Personal aufgestockt werden, fünf Gärtner wurden fest eingestellt und sieben Saisonkräfte können zusätzlich beschäftigt werden. Doch mit den vom Senat für das Victoria-Haus bewilligten zehn Millionen Euro ist es längst nicht getan, da viele der 14 Schaugewächshäuser sanierungsbedürftig sind. Dabei geht es nicht allein um Fragen mangelnder Statik und veralteter Technik, sondern auch um das 30 Jahre alte, milchige und rissige Glas der Fronthäuser, in denen unter anderem tropische Farne wachsen. 60 Millionen seien für die Komplettsanierung der Schaugewächshäuser beim Senat für Wissenschaft beantragt, so Schomaker. Entschieden werde darüber allerdings erst im Doppelhaushalt 2014/2015.

Am heutigen Sonnabend und morgigen Sonntag gibt es wieder den Staudenmarkt. Auf dem Hauptweg laden fast 100 Gärtnereien zum Start in die Saison ein. Besucher werden gebeten, eigene Tragebehälter für die gekauften Pflanzen mitzubringen. Geöffnet ist von 9 bis 18 Uhr, Eintritt 6 Euro. Info: www.botanischer-garten-berlin.de

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