Berlin : Trotz des Pisa-Debakels: Gymnasien sollen allen offen stehen

Bildungssenator Böger lehnt höhere Zugangshürden ab. Hauptschulen erhalten Sozialarbeiter

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Das schlechte Abschneiden der Berliner Gymnasiasten und Hauptschüler bei der aktuellen PisaStudie dominierte gestern die bildungspolitische Diskussion. Wie berichtet, liegen die Hauptschüler im Bundesvergleich auf dem letzten Platz und die Gymnasiasten auf dem vorletzten Platz in der Mathematik sowie dem drittletzten im Lesen. Welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, ist umstritten.

Weit von sich gewiesen hat Bildungssenator Böger gestern die Überlegung des Verbands der Oberstudiendirektoren, Zugangsbeschränkungen für die Gymnasien zu erlassen. „Die Schüler zu filtern, ist eine komplett falsche Schlussfolgerung“, konterte Böger. Berlin müsse vielmehr froh darüber sein, den bundesweit höchsten Gymnasiastenanteil zu haben. Ebenso entschieden wies er die These zurück, dass die Berliner und Brandenburger Gymnasien gegenüber den anderen Gymnasien im Bund benachteiligt seien, die die Kinder nicht erst nach der sechsten, sondern schon nach der vierten Klasse aufnehmen. Niemand hindere die Gymnasien daran, die Kinder ab Klasse 7 so gut wie möglich zu fördern, sagte Böger. Im Übrigen kündigte er an, dass im Winter 2006/07 eine Studie vorgelegt werde, die die Lernzuwächse von Kindern in der Grundschule und in grundständigen Gymnasien vergleiche.

Böger wies auch die Forderung zurück, die Hauptschulen abzuschaffen, die in Berlin nur noch die schwierigsten elf Prozent eines Jahrgangs auffangen. „Warum sollte man diese Schüler in einer heterogenen Schülerschaft besser fördern können?“, fragte Böger. Das sei in den Gesamtschulen nicht zu beobachten. Aber es gab auch eine gute Nachricht für die Hauptschulen: Ab Januar 2006 kann jede Hauptschule einen Sozialarbeiter beantragen. Einzige Voraussetzung sei, dass die Schule dabei mit einem freien Träger der Jugendhilfe kooperiere, berichtete der zuständige Referent Siegfried Arnz.

Auch ein weiteres Dauerthema kam gestern durch Pisa wieder auf die Tagesordnung: das Sitzenbleiben. Der Studie ist zu entnehmen, dass in Berlin zwei Drittel der 15-jährigen Hauptschüler schon mal eine Klasse wiederholt haben, ein Drittel war schon bei Schulbeginn um ein Jahr zurückgestellt worden. Selbst bei den Gymnasiasten sind 14,5 Prozent Wiederholer. Mit diesen Werten steht Berlin allerdings im Bundesvergleich nicht allein. Böger verwies darauf, dass durch das neue Schulgesetz das Sitzenbleiben in Hauptschulen inzwischen abgeschafft und in den übrigen Schulformen erschwert worden sei. sve

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