Berlin : Trotz Faulschlamm ging es fleißig voran - Der Nordteil des Rohbaus ist fertiggestellt

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Sonnenlicht fällt durch einen offenen Spalt 15 Meter tief in die unterirdische Halle des neuen Zentralbahnhofs an der Invalidenstraße. Der nördliche Teil des Rohbaus ist fertiggestellt, vier Bahnsteige und acht Gleiströge sind bereits zu erkennen. Nur die Gleise fehlen noch. Stahlummantelte Säulen, jede 23 Meter hoch, tragen das Gewölbedach, das später - dem Schallschutz zuliebe - abgehängt werden soll. Panorama-Aufzüge werden den Reisenden einmal 25 Meter nach oben bringen, hoch über die Stadt.

Hier unten werden täglich 500 Züge in Nord-Süd-Richtung abfahren und ankommen. Außerdem werden oberirdisch vier Ferngleise in Ost-West-Richtung verlaufen, an den Brückenbauwerken wird bereits gearbeitet. Jeweils 430 Meter lang werden die Bahnsteige sein. Für den oberirdischen Teil des Bahnhofs wird Ende 2001 der Lehrter Stadtbahnhof, der alte S-Bahnhof, abgerissen. Jedoch soll die S-Bahn weiter fahren und auch während der Bauphase halten.

1998 wurde der Grundstein gelegt, im Jahr 2005 soll der neue Bahnhof fertig sein - zwei Jahre später als geplant, und er wird deutlich teurer. Mindestens eine Milliarde Mark wird er kosten, von 800 Millionen war zunächst die Rede gewesen. Projektleiter Hans-Jürgen Göhler spricht von der komplizierten Statik, dem Wassereinbruch am Landwehrkanal und schwierigem Baugrund - man habe allein 30 000 Kubikmeter Faulschlamm auspumpen müssen. Außerdem wurde der Brandschutz verbessert. Externe Wirtschaftsprüfer hatten allerdings auch von "Missmanagement" und "zu großem Volumen" gesprochen. Zusammen mit dem Bahnhof wird auch die U 5 und der Tunnel für die Bundesstraße B 96 gebaut.

Wie der fertige Bahnhof aussieht, ist noch unklar. Denn es ist noch nicht entschieden, wann die beiden gläsernen "Bügelbauten" über dem eigentlichen Bahnhof errichtet werden. Zwar sieht der Architekturentwurf von Gerkan, Marg und Partner dieses vor, aber die beauftragte Gesellschaft Projektknoten Berlin ist nur für die Bahnhofsteile zuständig. Jedoch seien diese so berechnet, dass sie die Last der "Bügelbauten" später tragen könnten, sagt Göhler.

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