Berlin : Trotz Handgranaten-Attacke: Ibo singt im Tempodrom

Auf das Hamburger Konzert des türkischen Stars Ibrahim Tatlises gab es Ende Februar einen Anschlag. In Berlin wurde jetzt der Schutz verstärkt

Tanja Buntrock[Suzan Gülfirat],Frank Jansen

Der Konzertveranstalter zeigt sich zuversichtlich: „Ibo tritt am Freitag in Berlin auf. Es gibt keine Gefahr“, sagt Erthan Balcik. Er organisiert das Konzert im Tempodrom für den türkisch-kurdischen Entertainer, Schauspieler und Sänger Ibrahim Tatlises, genannt „Ibo“. Allerdings hat Balcik Sorge, dass die türkischen Fans wegbleiben könnten – aus Angst. Ende Februar war bei einem Konzert von „Ibo“ im Hamburger Audimax eine Handgranate explodiert.

„Ibo“ ist ein Megastar in der Türkei: Er hat eine Show im eigenen Fernsehsender und eine eigene Radiostation. „Der Imperator kommt“, steht derzeit auf den Plakaten in Berlin, die für sein Konzert werben. Sein Künstlername Tatlises bedeutet „Süßstimme“. Als ihn vor fünf Jahren Harald Schmidt für seine Show entdeckte, regnete es rosa Ballons, und draußen wurde eine Leinwand aufgestellt, weil nicht alle Fans einen Platz bekommen hatten. Am Mittwoch gab er dem türkischsprachigen Berliner Sender „Radio Metropol FM“ ein Telefoninterview. Dabei wies er Gerüchte zurück, er würde wegen des Anschlages in Hamburg nicht nach Berlin kommen. „Das ist absoluter Quatsch“, sagte er.

Wer hinter dem Anschlag von Hamburg steckt, ist immer noch unklar. Die Sicherheitsbehörden der Hansestadt hatten zunächst vermutet, die Attentäter könnten aus den Reihen der kurdischen Extremistenorganisation PKK stammen. Dieser Verdacht habe sich bislang jedoch nicht erhärtet, hieß es gestern in Sicherheitskreisen. Innerhalb der PKK, die sich inzwischen in „Kongra-Gel“ (Kurdischer Volkskongress) umbenannt hat, habe der Anschlag eher Irritationen hervorgerufen. Anhänger der Organisation hatten allerdings im Jahr 2001 Konzerte von Ibrahim Tatlises in Hamburg und Dortmund gestört. Die Extremisten warfen dem Sänger vor, er engagiere sich nicht genug für die „kurdische Sache“. Tatlises wird jedoch auch von türkischen Rechtsextremisten angefeindet. 1998 wurde in Istanbul auf den kurdischen Sänger geschossen, nachdem er im Fernsehen den Kampf der Armee gegen die PKK-Guerilla als sinnlos bezeichnet hatte. Hamburger Sicherheitsexperten schließen denn auch einen politischen Hintergrund des Handgranatenanschlags weiterhin nicht aus. Möglich sei allerdings auch ein „privat-persönlicher Hintergrund“. Die Ermittlungen seien schwierig, weil es bislang keine eindeutigen Zeugenaussagen gebe. „Wir tippen im Nebel“, sagte am Mittwoch ein Experte dem Tagesspiegel.

Dass sich die Hamburger und die Berliner Polizei vor dem kommenden Konzert von Tatlises abstimmen, gilt in Sicherheitskreisen trotz der jüngsten Irritationen zwischen beiden Bundesländern als selbstverständlich. Nachdem Berliner Autonome Ende Januar in Hamburg gewaltsam gegen eine Neonazi-Demonstration protestiert hatten, hielten Politiker der Hansestadt Innensenator Erhart Körting vor, er hätte die Linksextremisten vorbeugend in Gewahrsam nehmen müssen. Körting wies die Kritik zurück. Sicherheitsexperten betonten jedoch, der Streit beeinträchtige in keiner Weise die Zusammenarbeit zwischen den Landeskriminalämtern.

Konzertveranstalter Balcik befürchtet allerdings immer noch, dass die Fans „durch die Berichterstattung über den Vorfall in Hamburg eingeschüchtert sein könnten“. Für das Berliner Konzert seien jedenfalls „alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, um einen solchen Vorfall zu vermeiden“. Er habe sich dafür mit dem Berliner Landeskriminalamt (LKA) abgesprochen. „Es werden Polizeikräfte bis vor dem Konzertbeginn das ganze Veranstaltungsgebäude mit Hunden nach möglichen Bomben untersuchen“, sagt Balcik. Zudem seien Polizeibeamte vor und während des Konzertes „draußen und im Saal“ im Einsatz. Außerdem habe man 28 Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma engagiert.

Veranstalter Balcik bleibt dem Hamburger Anschlag zum Trotz optimistisch. Rund 600 Karten seien bislang verkauft für das Ibo-Konzert. „Aber die Erfahrung zeigt, dass unser Publikum spontan an der Abendkasse die Tickets kauft.“ Das Konzert im Tempodrom beginnt um 20 Uhr.

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