Berlin : Trotz Milliardenkosten: Seit 1984 sind alle Ausrichter zufrieden

Gunter H. Fahrion

Zufall oder Absicht? Willi Daume, der frühere NOK-Präsident und Chef des Organisationskomitees der Olympischen Spiele München 1972 brachte es fertig, zwischen 1971 und 1974 immer von 1,972 Milliarden Mark zu sprechen, wurde er nach den Kosten der Spiele von 1972 gefragt. Dieses faszinierende Zahlenspiel mit der Jahreszahl drückte zwar die Größenordnung aus, verschleierte aber auch den effektiven Aufwand, der nur schwerlich zu bestimmen ist. Tatsache war, dass die öffentliche Hand von diesen 1972 Millionen Mark 686 Millionen Mark als olympiabedingte Lasten übernahmen. Doch diesen Geldern standen auf der anderen Seite viele Steuereinnahmen gegenüber, die es ohne die Olympischen Spiele nicht gegeben hätte. Allein der Freistaat Bayern erhielt zum Beispiel 73 Millionen Mark an Lotteriesteuer.

Heute redet von den öffentlichen Ausgaben für die Olympischen Spielen in München niemand mehr. Die Investitionen haben sich gelohnt, von der Infrastrukturprofitiert München heute noch.

Olympische Spiele, dies weisen die Official Reports aller Organisationskomitees aus, haben seit den Spielen von Los Angeles im Jahre 1984 nicht mehr mit einem Defizit abgeschlossen. Da fast alle OKs gemeinnützig arbeiteten, wurden am Ende die Zahlen so geschönt, dass die Gemeinnützigkeit erhalten blieb und keine Steuern bezahlt werden mussten. Klagen aber hörte man nirgends. Um nicht Äpfel mit Birnen vergleichen zu müssen, ist es aber notwendig, in einem langwierigen Prozess "olympiabedingte" und "nicht olympiabedingte" Kosten auseinanderzurechnen. Infrastrukturverbesserungen (z.B. Schienenverkehr, Straßenbau, Sportstätten), die nach den Spielen sinnvoll weitergenutzt werden, können nur schwerlich Olympischen Spielen angelastet werden. Dies alles sind lediglich vorgezogene Infestitionen, insbesondere, wenn die Projekte bereits in längerfristigen Entwicklungsplänen enthalten sind.

Peking als Ausrichter der Olympischen Spiele 2008 wurden vom IOC rund eine Milliarde US-Dollar für die Organisation der Spiele zugesichert. Dies ist der Anteil, der dem örtlichen Organisationskommitee aus dem Topf der Fernseh- und Werbeeinnahmen zusteht.

Dass sich eine deutsche Bewerbung rechnen wird, hat vor acht Jahren Professor Wolfgang Maennig in Berlin gezeigt, dessen Berechnungen mit einem Überschuss von 189 Millionen Mark für die Bewerberstadt Berlin abschlossen. Wären Olympische Spiele für Bewerberstädte mit hohem Risiko verbunden, würden derzeit nicht weltweit für die nationalen Verfahren rund 40 Kommunen die Hände nach dem Olympischen Feuer recken.

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