Berlin : Trotz Studiums keinen Job

Arbeitslosigkeit unter Akademikern in Berlin doppelt so hoch wie bundesweit Land gibt deutlich weniger für einen Schüler aus als andere Industriestaaten

Susanne Vieth-Entus

Die schlechte Arbeitsmarktlage in Berlin führt dazu, dass hier selbst Akademiker weniger Chancen auf eine Anstellung haben als Nichtakademiker in anderen Ländern. Dies geht aus einem neuen Bildungsvergleich der Statistischen Ämter hervor, der gestern vorgestellt wurde.

Demnach liegt die Arbeitslosigkeit bei den Akademikern in Berlin bei 11,3 Prozent und damit höher als bei Bewerber ohne Studium etwa in Niedersachsen (8,7), Hamburg (10,5), Hessen (7,7) oder dem Saarland (7,0). Insgesamt liegt die Arbeitslosenquote bei Akademikern im Bundesdurchschnitt bei 5,6 Prozent.

Noch dramatischer sind die Chancenunterschiede bei denen, die nur einen Haupt- oder Realschulabschluss oder gar keinen Abschluss haben. Unter ihnen haben in Berlin 40 Prozent keinen Job, bundesweit aber nur 20,4 Prozent.

Den deutschen Zahlen stellen die Statistiker die Zahlen aus den Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gegenüber, die am Dienstag veröffentlicht worden waren. Demnach sind in den 30 OECD-Staaten – das sind mehr oder weniger die Industrieländer – nur zehn Prozent der Geringqualifizierten ohne Arbeit und nur vier Prozent der Akademiker.

Auch sonst halten die Statistiker kaum gute Nachrichten im Hochschulbereich bereit. Zwar liegt Berlin im Bundesvergleich an der Spitze, wenn man den Anteil der Hochschulabsolventen betrachtet (30 Prozent). Aber der OECD-Durchschnitt liegt noch höher (35 Prozent). Auch zu den Schulen machen die Statistiker Aussagen. Sie untersuchten etwa die Klassengrößen. Demnach saßen 2004 in Berlin in den Klassen 1 bis 4 durchschnittlich 22,8 Kinder in einer Klasse, bundesweit waren es 22 und im OECD-Durchschnitt 21,5. In den Klassen 5 bis 10 waren es in Berlin 25 Kinder, bundesweit 24,7 und OECD-weit 23,8.

Negativ fällt Berlin auch auf in Bezug auf den geringen Anteil an männlichen Lehrern im Grundschulbereich. In Berlin sind demnach 88,1 Prozent der Lehrer in Grundschulen Frauen, in Deutschland sind es 82,9 Prozent und im Mittel der OECD-Staaten nur 78,3 Prozent. Allgemein gilt in der Forschung als ausgemacht, dass es vor allem für Jungen besser wäre, wenn sie nicht erst in der Oberschule mit männlichen Pädagogen konfrontiert würden.

Die Statistiker haben auch die Ausgaben für Schüler verglichen. Diese Zahlen stammen von 2003. Demnach gab Berlin für einen Grundschüler 4800 Euro pro Jahr aus, die Bundesländer im Schnitt 4400 und die OECD-Staaten 5500 Euro.

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