Berlin : Trotz Top-Gehalt: Niemand will BVG-Chef werden

Der Aufsichtsratsvorsitzende Thilo Sarrazin hat bei der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden bisher nur Absagen erhalten

Klaus Kurpjuweit

Der Posten als BVG-Chef ist gut bezahlt, sehr gut sogar. Selbst Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verdient weniger. Dennoch scheint niemand die Stelle haben zu wollen. Nach Tagesspiegel-Informationen hat sich Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) als Aufsichtsratsvorsitzender der BVG bei der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden des Verkehrsbetriebes schon mehrere Körbe geholt. Eine Stellungnahme dazu gab es von Sarrazin nicht.

Der bisherige BVG-Chef Andreas Graf von Arnim war Ende März gestorben. Seither leiten die anderen beiden Vorstandsmitglieder Thomas Necker (Technik) und Hilmar Schmidt-Kohlhas (Personal) die BVG. Sarrazin hat sich aber schon längst auf die Suche nach einem neuen Vorstandschef gemacht, der sich vor allem um die Finanzen kümmern soll. Dieses Ressort hatte von Arnim geleitet.

Er war, wie berichtet, von Sarrazin mit einem üppig dotierten Vertrag ausgestattet worden. Nach Tagesspiegel-Informationen lag das Grundgehalt bei 300 000 Euro. Hinzu kam eine Prämie von maximal 30 Prozent des Grundgehalts. Außerdem wurden von Arnim frühzeitig Versorgungsbezüge garantiert.

Hinter diese großzügigen Regelungen will nun kein potenzieller Kandidat zurückfallen. Dem Vernehmen nach haben einige der jetzt Gefragten sogar noch wesentlich mehr Geld gefordert und sind deshalb nicht mehr im Rennen.

Bereits in der Vergangenheit war es meistens schwer gewesen, einen Vorstandsvorsitzenden für die BVG zu finden. Zeitweise dauerte das Interregnum an der Spitze mehrere Jahre. Der Job beim größten deutschen kommunalen Verkehrsbetrieb gilt in der Branche als nicht besonders attraktiv.

Der Gestaltungsspielraum für den Vorstand ist stärker eingeschränkt als in den meisten anderen Verkehrsunternehmen. Nach wie vor mischt sich die Politik häufig auch ins Alltagsgeschäft ein. Größere Änderungen müssen ohnehin von der Senatsverkehrsverwaltung genehmigt werden. So ist derzeit zum Beispiel zweifelhaft, ob die BVG wie von ihr geplant sonnabends den Frühverkehr einschränken darf. Dadurch will sie mehrere Millionen Euro im Jahr sparen.

Auch durch den jetzt im Grundsatz ausgehandelten Tarifvertrag mit der Gewerkschaft Verdi seien einem Vorstandsvorsitzenden enge Grenzen bei der Unternehmensführung gesetzt,sagen Experten. Die oberste Devise an das Führungsgremium lautet weiter: Sparen, sparen, sparen. Die BVG ist mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldet. Unter anderem auch deshalb, weil der Senat seit Jahren das Betriebsdefizit nicht mehr ausgleicht.

Ein Mitte April ausgeguckter Kandidat von der Bahn AG sprang ab, nachdem sein Name vorzeitig bekannt geworden war. Inzwischen mehren sich die Zeichen, dass Technikvorstand Thomas Necker auf den Stuhl des Vorsitzenden wechseln könnte. Necker ist derzeit in Urlaub. Ursprünglich hatte er wie auch Schmidt-Kohlhas diesen Schritt ausgeschlossen. Doch das war vor Monaten.

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