Trümmerberg im Grunewald : Bezirk will den Teufelsberg zum Denkmal machen

18.02.2012 00:00 Uhrvon
  • Der Teufelsberg ist eine der höchsten Erhebungen der Stadt. Laut einer Neuvermessung misst er nicht nur knapp 115, sondern 120,1 Meter. Auf ihm zu sehen ist ein Stück Berlin, das lange verbotenes Gelände war. Foto: AFP
    Der Teufelsberg ist eine der höchsten Erhebungen der Stadt. Laut einer Neuvermessung misst er nicht nur knapp 115, sondern 120,1 Meter. Auf ihm zu sehen ist ein Stück Berlin, das... - Foto: AFP
  • Die weißen Türme der Anlage auf dem Berg im Grunewald sind von weither zu sehen. Foto: AFP
    Die weißen Türme der Anlage auf dem Berg im Grunewald sind von weither zu sehen. - Foto: AFP
  • In ihnen befanden sich bis 1991 die Antennen, mit deren Hilfe US-Amerikaner und Briten den militärischen Funkverkehr in der DDR und anderen damaligen Ostblockstaaten verfolgten. Foto: AFP
    In ihnen befanden sich bis 1991 die Antennen, mit deren Hilfe US-Amerikaner und Briten den militärischen Funkverkehr in der DDR und anderen damaligen Ostblockstaaten verfolgten. - Foto: AFP

Kommunalpolitiker fordern die Rettung der verfallenden Abhörstation. Die Eigentümer planen Lofts in den Altbauten, und die Stadtentwicklungsverwaltung kündigt Gespräche an.

Die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg soll unter Denkmalschutz gestellt werden – das fordert jetzt auch die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Eigentümer um den Kölner Investor Hartmut Gruhl hatten bereits im vorigen Jahr einen entsprechenden Antrag bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gestellt. Dass die dortige Denkmalschutzbehörde zustimmt, ist allerdings fraglich, denn der Landeskonservator hatte den Kuppeltürmen und Hallen schon vor einigen Jahren den Status als Baudenkmal verwehrt. Nach Auskunft der Verwaltung ist ein Treffen aller Beteiligten geplant.

Der BVV-Antrag der SPD und Grünen war im bezirklichen Stadtplanungsausschuss einstimmig angenommen worden.

In der Sitzung der Bezirksverordneten am Donnerstagabend stimmte die CDU, in deren Fraktion es unterschiedliche Meinungen gab, dann aber gegen den Denkmalschutz. „Die Bauruine ist nicht mehr zu retten, das hätte man vor Jahren tun müssen“, sagte der Vize-Fraktionschef der CDU, Karsten Sell. Die City-West leide unter akuter Geldnot, zurzeit könne man zum Beispiel nicht in Spielplätze investieren – angesichts dessen komme es nicht infrage, Geld in eine Restaurierung der Anlage zu stecken.

Tatsächlich ist durch Witterungsschäden und Vandalismus nicht mehr viel übrig von der seit Anfang der 90er Jahre leer stehenden Abhörstation der Amerikaner und Briten. Die Turmfassaden aus weißem Kunststoff flattern größtenteils zerschnitten im Wind. Seit einem Jahr bietet das Stadterkundungsunternehmen „Berlin Sightout“ Führungen durch die Ruine an – und setzt sich ebenfalls für den Denkmalschutz ein. Außerdem hatten Absolventen des TU-Masterstudiengangs Denkmalpflege 2011 eine Studie vorgestellt, in der sie den Resten der Spionagestation eine geschichtliche, städtebauliche und wissenschaftliche Bedeutung attestierten.

Die Grundstückseigentümer um Hartmut Gruhl hatten in den 90er Jahren den Bau eines Hotels und einer Luxuswohnanlage geplant, das Projekt scheiterte aber. Später erklärte die Stadtentwicklungsverwaltung die Bergspitze zum Waldgebiet, in dem nichts mehr gebaut werden darf.

Jetzt aber will Gruhl für 20 Millionen Euro bis zu 50 Lofts in den Altbauten schaffen. Auch ein Café, ein Museum und eine Aussichtsplattform seien denkbar. Derzeit hält Marc Schulte (SPD), Stadtrat für Stadtentwicklung, nur ein Ausflugslokal für genehmigungsfähig. In Verhandlungen will er ausloten, „ob es Möglichkeiten gibt, die Interessen zu bündeln“ und Stiftungen oder Museen als Unterstützer gewonnen werden können.

Den Abriss der Anlage und eine Begrünung des Fünf-Hektar-Areals fordert hingegen eine Bürgergruppe „Aktion Naturschutz Berlin“, die eine Broschüre über die Geschichte des Teufelsbergs veröffentlicht hat. An die Historie soll nach dem BVV-Beschluss übrigens eine Informationstafel erinnern. Dabei geht es auch um die einst vom NS-Regime bis zum Rohbau errichtete „Wehrtechnische Fakultät“ und die Nachkriegsjahre, in denen der Berg aus Trümmern aufgeschüttet worden war.

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