Trümmerberg im Grunewald : Facebook-Party eskaliert: Bezirk untersagt Feiern auf dem Teufelsberg

31.08.2012 00:00 Uhrvon
  • Der Teufelsberg ist eine der höchsten Erhebungen der Stadt. Laut einer Neuvermessung misst er nicht nur knapp 115, sondern 120,1 Meter. Auf ihm zu sehen ist ein Stück Berlin, das lange verbotenes Gelände war. Foto: AFP
    Der Teufelsberg ist eine der höchsten Erhebungen der Stadt. Laut einer Neuvermessung misst er nicht nur knapp 115, sondern 120,1 Meter. Auf ihm zu sehen ist ein Stück Berlin, das... - Foto: AFP
  • Die weißen Türme der Anlage auf dem Berg im Grunewald sind von weither zu sehen. Foto: AFP
    Die weißen Türme der Anlage auf dem Berg im Grunewald sind von weither zu sehen. - Foto: AFP
  • In ihnen befanden sich bis 1991 die Antennen, mit deren Hilfe US-Amerikaner und Briten den militärischen Funkverkehr in der DDR und anderen damaligen Ostblockstaaten verfolgten. Foto: AFP
    In ihnen befanden sich bis 1991 die Antennen, mit deren Hilfe US-Amerikaner und Briten den militärischen Funkverkehr in der DDR und anderen damaligen Ostblockstaaten verfolgten. - Foto: AFP

Das Ordnungsamt hat vorerst alle Führungen und Veranstaltungen in den Ruinen der Abhörstation verboten. Dazu führte besonders eine Facebook-Party, die zum Massenspektakel ausgeufert war.

Auf dem Teufelsberg im Grunewald war in jüngster Zeit richtig viel los: Anfang August kamen laut Augenzeugen tausende Gäste zu einer zweitägigen Party in die einstige Abhörstation der Alliierten, ein privater Veranstalter hatte dazu per Facebook eingeladen. Am vorigen Wochenende sollte auch ein Street-Art-Festival stattfinden – doch dann schritt das Ordnungsamt Charlottenburg-Wilmersdorf ein. Es hat alle öffentlichen Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres untersagt.

„Wir haben nichts gegen Führungen mit weniger als zehn Teilnehmern“, sagte der zuständige Stadtrat Marc Schulte (SPD) am Donnerstag.

Größere Veranstaltungen in den ungesicherten Ruinen seien jedoch äußerst riskant – es gebe Löcher im Boden, offene Fahrstuhlschächte und giftige Materialien. Dass sich Anwohner aus dem Bezirk über Lärm beschwert haben, sei nachrangig. Im Mittelpunkt stehe die Lebensgefahr für Besucher, die sich ohne genügende Aufsicht in die Gebäude begeben.

Jetzt sucht Andreas Jüttemann, der Anfang 2011 die ersten Führungen durch die Abhörstation angeboten hatte und ein Buch über den Berg geschrieben hat, nach einem Kompromiss. Er ist selbst nicht mehr auf dem Berg aktiv, vertritt aber einen Arbeitskreis, der das Areal vom Kölner Eigentümer und Architekten Hartmut Gruhl gepachtet hat. Ursprünglich hatte das Bauamt keine Einwände gegen die beliebten Führungen mit bis zu 30 Teilnehmern geäußert.

Darüber hinaus steht ein Fest auf der Kippe, das vom 7. bis 9. September zum zweiten Mal anlässlich des Tags des offenen Denkmals geplant ist. Im vorigen Jahr hatte die dreitägige Veranstaltung nach Angaben der Organisatoren rund 1800 Menschen angelockt. Ob und wie sie diesmal stattfinden kann, entscheidet das Bezirksamt voraussichtlich am Dienstag.

Im Video: Die Party auf dem Teufelsberg

Die Party am 4. und 5. August habe sich der Veranstalter übrigens als kleines Fest von den Pächtern genehmigen lassen, sagt Jüttemann. Mit der Ankündigung auf Facebook und dem folgenden Ansturm hätten diese nicht gerechnet. Versuche, die Einladung zurückzunehmen, seien erfolglos geblieben.

In Zukunft wird es wohl nicht mehr um Szenepartys gehen, Eigentümer Gruhl plant einen „öffentlichen Ausflugsort“. Mit Unterstützung des Bezirks und des Senats hat er im Frühjahr ein Konzept für ein Ausflugslokal, ein Spionagemuseum, Veranstaltungssäle und einen „historischen Parcours“ angekündigt. Die Einzelheiten will er im Laufe des Septembers mit den Politikern besprechen.

- Über Führungen und andere Veranstaltungen informiert www.berlinsightout.de. Die Kommunale Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176, eröffnet am 6. September um 19 Uhr die Ausstellung „Schaulust – Teufelsberg. 20 Jahre nach Verlassen der Abhörstation des Kalten Krieges“ mit Fotos der Künstlerin Rotraud von der Heide (www.kommunalegalerie-berlin.de).

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