Berlin : Trumpfkarte „Ost“ sticht nicht mehr

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Die PDS hat das Direktmandat in Lichtenberg gewonnen – und trotzdem verloren. Die einstige Hochburg konnte nur mit Mühe gehalten werden. Kein Wunder, dass hier, inmitten schick sanierter Plattenbauten, der Schock über das schlechte Wahlergebnis tief sitzt. Er ist offenbar so groß, dass kaum jemand, der hier am Montagvormittag durch das Einkaufszentrum „Bärenschaufenster“ nahe dem Tierpark Friedrichsfelde schlendert, über den Wahlausgang reden will.

Immerhin, ein Renter traut sich dann doch: „Wir haben offensichtlich versagt und einen schlechten Wahlkampf geführt“, versucht er den Stimmenverlust der PDS zu erklären. Dennoch glaubt er nicht, dass diese Partei etwa überflüssig geworden wäre. „Im Gegenteil – die nächste große Wahl in vier Jahren wird zeigen, wie wir an Kraft gewinnen.“ Aus seiner Sicht brauche der Osten nach wie vor eine „Identitätspartei“, die nun mal die PDS sei. Allerdings wären für einen künftigen Wahlerfolg „starke Persönlichkeiten nötig“. Wie Gesine Lötzsch etwa, sagt der gut gekleidete Rentner, der mit dafür sorgte, dass die 41-jährige Lichtenbergerin mit immerhin 39,6 Prozent der Erststimmen ein Direktmandat gewann.

Auch ein anderer Mann gibt sich kämpferisch. „Wir müssen verstärkt die Jugend für unsere Politik gewinnen, denn das alte Wählerpotenzial fällt nach und nach weg“, sagt Erwin Langner. Doch ob sich die jungen Leuten davon begeistern lassen? Student Björn Riehmer: „Ich habe bislang immer aus Protest die PDS gewählt. Aber mittlerweile ist die Partei verblasst und bewegt kaum noch etwas.“ Auch sein Kommilitone Sebastian Jäger findet, dass zwölf Jahre nach der Wende die ostdeutsche Trumpfkarte nicht mehr sticht. Eine Geschäftsfrau sieht das anders: „Stoiber verhindern, hieß SPD wählen.“ Schließlich sei vielen PDS-Anhängern nach dem Abgang Gysis klar gewesen, dass es mit der Partei bergab gehe

Für das Ehepaar Herrmann, das seit 20 Jahren in Lichtenberg wohnt, käme eine Stimme für die SPD nie in Frage. Die PDS sei immer noch die Partei, die am „dichtesten an den Massen ist“. Nur sie kümmere sich um die „wahren Probleme vor Ort“. Darüber kann Anwohner Gerhard Teske nur lachen. „Die PDS tut dem Osten überhaupt nicht gut, schon deshalb nicht, weil dort immer noch etliche alte SED-Kader das Sagen haben.“ Seine Wahl stand deshalb fest: CDU. Steffi Bey

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