Tsunami-Opfer : Das Trauern hört nicht auf

Mehr als 230.000 Menschen kamen in den Tsunami-Wellen in Südostasien um, darunter auch 47 Berliner und Brandenburger. Einige Hinterbliebene trafen sich zum Gedenken in Tempelhof.

Annette Kögel
Tsunami Gedenken Tempelhof
Angehörige trauern am Gedenkstein in Alt-Tempelhof. -Foto: steinert

BerlinHenry Mangold hat ein neu gerahmtes Foto auf den Friedhof mitgebracht - das letzte Motiv, das von seinem Freund Sven Steinert existiert. Doch das Bild von dem mit 33 Jahren verstorbenen Mann aus Heiligensee am Gedenkstein für die Tsunami-Opfer aus der Region Berlin-Brandenburg ist noch deutlich zu erkennen: ein fröhlicher junger Mann. Dann geschah am zweiten Weihnachtsfeiertag vor vier Jahren die Naturkatastrophe, riss Freunde und Eltern, Kinder und Eheleute aus dem Leben.

Mehr als 230.000 Menschen kamen in den Tsunami-Wellen in Südostasien um, darunter auch 47 Berliner und Brandenburger. Eine Hinterbliebeneninitiative konnte nach anfänglichen bürokratischen Schwierigkeiten erreichen, dass ein Gedenkstein auf dem Friedhof Alt-Tempelhof mit finanzieller Unterstützung des Roten Kreuzes aufgestellt wurde. Auch wenn sich die Hinterbliebenengruppe um Pfarrer Jörg Kluge nicht mehr regelmäßig trifft - am Jahrestag hatten sich viele Angehörige miteinander für den schweren Gang zum Friedhof verabredet. "Trauer ist ein lebenslanger Prozess", sagt Kluge, "nur die Vehemenz verändert sich."

Ihr Lebensretter starb, genauso wie ihr Mann

Anke George hat das in Plastik eingeschweißte Bild ihres in Khao Lak verstorbenen Mannes im Sommer abgelegt, zu seinem Geburtstag. Ihr Vater, der auch mit in Thailand war, gratuliert ihr an jedem 26. Dezember zum "Geburtstag". Die heute 50-Jährige hatte sich dank der Hilfe eines Mannes an einer Holzlatte aus den Wassermassen auf ein Bungalowdach ziehen können. Dieser Helfer wurde später vom kochenden Meer verschluckt, wie auch ihr Mann Eberhard. Anke George bekommt immer noch Post von anderen Betroffenen, aber auch von Thailandfreunden, die ihr zur Seite stehen möchten. Sie selbst lebt inzwischen ein "recht normales Leben", sagt sie.

Manchmal holt sie die Kiste mit den alten Bildern hervor. "Dann gucke ich mir die an bis nachts um zwei." Gerade hat sich Frau George auch dieses Video angeschaut, das sie von anderen Hinterbliebenen bekam. Es zeigt die letzten Sekunden einer Familie, die vor den Wellen weg und um ihr Leben "rannte und schnaufte und japste, und dann baumelt die Kamera nur noch hin und her. Das hat mich auch daran erinnert, wie ich weglief."

Zum Jahrestag kam Anke George am Freitag auch mit ihren Töchtern Sabine und Anita sowie mit Enkeltochter Calista zum Friedhof. Dort traf sie auch Henry Mangold und drei andere Freunde des Tsunami-Opfers Sven Steinert. "Er war ein cooler Typ", sagt ein Kumpel aus Rathenow. Henry Mangold hatte mit Sven Steinert auch monatelange Autotouren durch die ägyptische Wüste gemacht. "Ich habe ihn bei der Beerdigung in Thailand selbst ins Feuer geschoben und seine Überreste im Meer verstreut." Mangold macht sich noch heute darüber Gedanken, dass sein Freund über ihn erst die Leidenschaft fürs Meer und fürs Tauchen entdeckte.

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