Berlin : Tsunami-Vermisster meldete sich bei Mutter

Der 36-Jährige lebt auf thailändischer Insel. Er wurde mit Haftbefehl gesucht

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Ziemlich genau sieben Monate ist die Flutkatastrophe in Asien nun her. Auch der 36jähriger Alexander T. war unter den Berlinern, die seit dem verheerenden Tsunami vermisst worden sind. Nun hat sich der Mann aus Hellersdorf gemeldet. Bei seiner Mutter – per Telefon.

Er lebe auf der thailändischen Insel Ko Phangan. Dies teilte die Berliner Polizei gestern mit. Wie sich herausstellte, wurde der Mann vom Bundeskriminalamt (BK) mit einem Haftbefehl gesucht. Mehr war dazu weder von der Berliner Polizei noch vom BKA zu erfahren. Die Mutter hatte am 24. Januar eine Vermisstenanzeige aufgegeben – also einen Monat nach dem Tsunami. „Wir wissen nicht, ob die Mutter wusste, dass ihr Sohn gesucht wird, sagte ein Ermittler. Möglicherweise habe der Mann sich absichtlich nicht zurück gemeldet, damit er für tot gehalten wird. Die Insel Ko Phangan liegt im Golf von Thailand, eine kleine Insel nördlich der Touristeninsel Ko Samui. Ko Phangan ist auch für seine monatlichen „Vollmondpartys“ bekannt. Zu diesen reisen vor allem Rucksacktouristen per Fähre von Ko Samui an.

Nach der Flutkatastrophe in Asien am 26. Dezember 2004 waren auch 159 Berliner von ihren Angehörigen als vermisst gemeldet worden. Die meisten waren in den Urlaubsgebieten im thailändischen Phuket oder Khao Lak unterwegs oder auf Sri Lanka. Diejenigen, die überlebt haben, meldeten sich nach wenigen Stunden oder Tagen. Mitte Januar waren es noch 45 Vermisste, von denen jede Spur fehlte. Angehörige wurden gebeten, der Polizei DNA-Material der Vermissten – beispielsweise Zahnbürsten oder Kämme – zu geben. Dies war wichtig, damit die BKA-Beamten im Krisengebiet die Leichen eindeutig identifizieren konnten. Bereits am 7. Januar hatte die Polizei das erste Berliner Todesopfer identifiziert: Es handelte sich um eine 47 Jahre alte Schönebergerin. Insgesamt wurden seither 34 Berliner für tot erklärt. Derzeit werden noch zwei Berliner vermisst – darunter ein Kind.

Die Polizei hat schon einmal ein Ehepaar, das wochenlang als vermisst galt, gefunden. Das war Mitte Januar. Das Paar war aber wohlauf und hatte einfach seinen Urlaub in Thailand fortgesetzt, ohne sich bei Angehörigen zu melden. Tanja Buntrock

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