Berlin : Tücken der Technik bei der Post

Kunden sollen Pakete am Automaten abholen. Das funktioniert nicht immer

Klaus Kurpjuweit

Die Post zwingt einen Teil ihrer Kunden dazu, Pakete an einer der neuen Packstationen aus Automaten abzuholen, die Ende Oktober aufgestellt worden sind – egal, ob die Kunden diesen Service wollen oder nicht. Verzichtet man darauf, erhält man die Sendung frühestens drei Werktage später. So wolle man ein „unverbindliches Testen“ des neuen Angebots ermöglichen und mögliche Hemmschwellen beseitigen, sagte Postsprecherin Sylvia Blesing. Tagelang warten muss man auch, wenn die Packstation defekt ist.

Kann ein Paket oder ein Päckchen nicht zugestellt werden, weil der Empfänger nicht zu Hause ist, könne der Zusteller entscheiden, ob er die Sendung wie bisher üblich am Schalter in einer Postfiliale deponiert oder ob sie in eine Packstation gelegt wird. Eine Vorgabe gebe es nicht , so Blesing. 78 dieser Stationen mit meist knapp hundert Fächern sind inzwischen in der Stadt aufgestellt.

Das Fach wird nach der Anmeldung mit einer Kundenkarte und der Eingabe einer so genannten PIN-Zahl geöffnet. Nachnahmegebühren können per EC-Karte bezahlt werden. Beim – unfreiwilligen – Test lässt sich die Anlage nach einer komplizierten Prozedur mit dem auf der Benachrichtigungskarte vorhandenen Strichcode öffnen. Theoretisch.

Als ein Kunde, der auf eine eilige Sendung wartet, das Öffnen notgedrungen versuchen will, weil der Zusteller, der übrigens nicht geklingelt hatte, sich für das Deponieren in einer Packstation entschieden hatte, hantiert dort ein Techniker herum. Man könne es in einer Viertel- stunde wieder versuchen, rät er. Eine andere Möglichkeit, an das im Fach liegende Paket zu kommen, gibt es nicht. Am Schalter, wo man sonst die Sendung, die dort lagerte, einfach abholen konnte, langweilt sich der Mitarbeiter. Kein Kunde ist da, das Paket wäre bei ihm ohne Wartezeit zu erhalten gewesen.

Und auch der zweite Versuch ein paar Stunden später sowie der dritte in der Nacht und der vierte am nächsten Morgen gingen schief. „Systemfehler“ meldete das Gerät jedes Mal, und das Fach mit dem Paket blieb zu. Obwohl die Packstation in einer Postfiliale steht, konnten die Mitarbeiter sie nicht manuell öffnen. Dies sei nicht vorgesehen, hieß es. Während ein Mitarbeiter sagte, solche Defekte gebe es häufiger, sind Postsprecherin Blesing größere Störungen nicht bekannt.

Dem Kunden, der so dicht vor seinem Paket stand, wurde geraten, es in seine Filiale schicken zu lassen, wo man es frühestens drei Werktage später abholen kann. Dabei soll der Automat gerade das schnelle Abholen rund um die Uhr ermöglichen. Nach Blesings Angaben werden etwa 60 Prozent der Sendungen innerhalb von zwölf Stunden abgeholt.

Wer sich angemeldet hat, wird per SMS oder E-Mail benachrichtigt, dass eine Sendung in der Packstation deponiert worden ist. Falls das Paket nicht sofort abgeholt wird, erfolgt 48 Stunden später eine weitere Benachrichtigung. Und 48 Stunden vor Ablauf der neuntägigen Lagerfrist gibt es nochmals einen Hinweis. An der Station können auch Pakete verschickt werden. In Berlin haben sich bisher 12 000 Kunden für den neuen Service, der gratis ist, registrieren lassen – freiwillig. Wie viele unfreiwillige Tester es gibt, ist nicht bekannt.

Weiteres im Internet unter

www.packstation.de

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