Berlin : Türen zu am ersten Tag

Grundschule kurzfristig wegen Bauarbeiten gesperrt. Viele Probleme mit der Umstellung auf Hort-Betreuung und Schul-Verpflegung

Eva Backes[Dagny Lüdemann],Susanne Vieth-

„Hier ist es viel besser als im alten Hort, weil es einen Kaufmannsladen zum Spielen gibt“, findet der siebenjährige Deren. Für den Zweitklässler der Neuköllner Elbe-Grundschule galt gestern das Gleiche wie für die meisten der rund 50 000 Hortkinder: Er tauschte seinen Hort in der Kita gegen einen neuen Schulhort. Nun muss er sich nach dem Unterricht nicht auf den Weg zur 15 Minuten entfernten Kita in der Rütlistraße machen. Deren und seine Mitschüler schienen unbeeindruckt vom Chaos am ersten Tag, das Schulleitung und Erzieherinnen an der Elbe-Grundschule beklagten. „Die Situation ist unbeschreiblich, es geht gar nichts“, sagte Schulleiter Lutz Redlich.

Die Essensausgabe musste in den ehemaligen Räumen der Vorklassen stattfinden, da die Bauarbeiten voraussichtlich noch bis Anfang September andauern. Redlich hatte schon geahnt, dass der Küchen-Pavillon anders als versprochen nicht rechtzeitig fertig wird: „Und wenn die technische Seite nicht stimmt, wird die Organisation hinfällig.“

Wesentlich schlimmer war gestern die Situation in der City-Grundschule in Mitte: Die Schüler standen vor verschlossenen Türen und mussten in eine 1,5 Kilometer entfernte Grundschule ausweichen, die eigentlich im Sommer stillgelegt werden sollte, wie der schockierte Vorsitzendes des Schulvereins, Klaus-Dieter Hinkelmann, berichtete. Baustadtrat Dirk Lamprecht (CDU) begründet die Sperrung damit, dass die Bauarbeiter vor drei Wochen auf „einsturzgefährdete Decken im Toilettenbereich“ gestoßen seien. Um die Kinder nicht zu gefährden, habe man die Schule schließen müssen. Warum die Eltern nicht früher benachrichtigt wurden, erklärt Volksbildungsstadträtin Dagmar Hänisch (SPD) damit, dass die Kommunikation zwischen Schulleiter, Bau- und Schulamt „nicht perfekt“ gewesen sei. Das „bedauert“ sie sehr. Elternsprecherin Katharina Topp berichtet von „weinenden Eltern und Kindern, die nicht in eine fremde Umgebung wollten“.

Doch nicht überall spielte sich der erste Schultag so dramatisch ab. In der Wilhelm-Busch-Grundschule in Marzahn lief alles wie geplant. „Die Kinder freuen sich, alle Lehrer sind da und bei den Küchenfrauen ist auch alles klar“, berichtete die Schulsekretärin. Während der Sommerferien wurde auch hier gebaut. Positives auch aus der Heiligensee-Grundschule: Leiterin Erika Eisele berichtet, dass an ihrer Schule die Koordination im Hort hervorragend geklappt hat. Dafür ist an der Schule eine Lehrerin ausgefallen, für die es vorläufig keinen Ersatz gibt. Der Stundenplan muss geändert werden und gesundheitlich angeschlagene Lehrer müssen einspringen. „Man betet dann jeden Tag, dass alle Lehrer kommen“, so die Schulleiterin.

Der Hort der Grundschule an der Bäke in Lichterfelde musste einige Kinder wieder nach Hause schicken. Schüler, die bereits im Vorjahr einen Hortplatz hatten, konnten dableiben. Mit den Neuanmeldungen gab es teilweise Probleme. Von vielen Kindern lag noch kein Bescheid vor. Schulleiter Jens Haase gibt die Schuld dafür den Eltern, die es verpasst hätten, einen Antrag zu stellen.

Probleme gab es auch in der Weddinger Möwensee-Grundschule: Eine Küchenhilfe aus dem Stellenpool des Bezirks hat eine bessere Arbeit gefunden und sich erst am Morgen abgemeldet. Jetzt werden Ein-Euro-Kräfte für die Küche gesucht.

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