Türkei-Besuch : Wowereit bringt "Mauersteine" nach Istanbul

Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit ist zu Gast in Istanbul. Dort gibt es viel zu feiern - zum Beispiel das 20-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen den Metropolen. Und das Gastgeschenk nimmt Wowereit gleich wieder mit zurück.

Thomas Seibert
283185_0_96e9a5ca.jpg
Berlin-Werber. Klaus Wowereit hat das Logo seiner „be Berlin“-Kampagne mit nach Istanbul genommen. Foto: Fischer Appelt

Vor dem Istanbuler Kunstmuseum "Istanbul Modern" griff Klaus Wowereit zu Pinsel und roter Farbe. Der Regierende Bürgermeister ist in die türkische Metropole gereist, um das 20-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Istanbul zu feiern und um für die geplante Domino-Aktion zum 20. Jahrestag des Mauerfalls im November zu werben. Wenn am Mauer-Jahrestag mehr als tausend, mit Grußbotschaften versehene "Mauersteine" aus Styropor umgestoßen werden, sollen auch Grüße aus der Partnerstadt Istanbul vertreten sein.

Deshalb hat Wowereit fünf der zweieinhalb Meter hohen "Steine" an den Bosporus mitgebracht, auf denen sich die Istanbuler noch bis zum Sonntag mit Botschaften an die Berliner verewigen können. Den Anfang machte der Bürgermeister selbst: "Wowi" schrieb er auf einen mitgebrachten Quader. Nevzat Bayhan, Leiter des Istanbuler Kulturamtes, wählte als Lokalpatriot eine Liebeserklärung an seine eigene Stadt – "Canim Istanbul", schrieb er: Meine Liebe Istanbul.

"Gefühle miteinander teilen"

Den offiziellen Auftakt der Istanbuler "Berlin-Tage" bildete ein Konzert des Jugendorchesters Berlin-Istanbul, der "Young Euro Classic". Wowereits Gastgeber Kadir Topbas begrüßte den Berliner Bürgermeister vor dem Konzert mit einem Satz des anatolischen Gelehrten Mevlana, der im Mittelalter die Grundzüge eines toleranten und weltoffenen Islam entwarf: "Verstehen tun sich nicht jene, die eine gemeinsame Sprache, sondern jene, die ihre Gefühle miteinander teilen."

Die türkische Metropole, die 2010 europäische Kulturkauptstadt sein wird, ist seit einigen Jahren "in": Neue Museen wie das "Istanbul Modern" am Bosporus und eine lebendige Kulturszene haben entscheidend dazu beigetragen. Die mit Konzerten, Filmvorführungen und Ausstellungen gestalteten Berlin-Tage in Istanbul, die Wowereits Besuch umrahmen, werden von den Kulturfreunden Istanbuls mit Interesse angenommen. "Drei Tage lang sind wir Berliner", überschrieb die Zeitung "Sabah" ihren Bericht über das Berliner Wochenende in Istanbul.

Wowereit bedankte sich, indem er die Berliner Partnerstadt als eine der schönsten Städte der Welt bezeichnete un dhervorhob, Berlin sei die größte türkische Stadt außerhalb der Türkei. In Berlin sollten nun bald Istanbuler Kulturtage stattfinden, kündigte Wowereit an.
"Als größte türkische Gemeinde außerhalb der Türkei ist Berlin der prädestinierte Partner für lebendige deutsch-türkische Beziehungen."

Es geht auch ums Geschäft

Es ging aber nicht nur um den Austausch von Freundlichkeiten. Bei einer Konferenz mit Wirtschaftsunternehmen aus beiden Ländern, die von Wowereit eröffnet wurde, stand das Thema der erneuerbaren Energien und Investitionsmöglichkeiten in Berlin und Istanbul auf der Tagesordnung.

Da die Türkei gerade dabei ist, ihre Möglichkeiten auf dem Feld der erneuerbaren Energien zu entdecken, könnten sich hier für deutsche Unternehmen neue Möglichkeiten ergeben. Istanbul selbst will drei Windanlagen mit einer Kapazität von 176 Megawatt pro Jahr errichten. Auch zusätzliche Anlagen zur Stromgewinnung aus Deponiegasen sind geplant.

Ein Beitrag zum Klimaschutz

Die Konferenz sei ein Beitrag zum Klimaschutz, lobte Wowereit. Doch die Istanbuler Kollegen des Berliner Regierenden Bürgermeisters konnten sich bei der Konferenz nicht nur mit der Rettung der Welt befassen – sie mussten aktuelle und unangenehme Fragen der Kommunalpolitik beantworten.

Eines der Lieblingsprojekte von Bürgermeister Topbas steht derzeit unter heftigem Beschuss. Um den Verkehr auf einer viel befahrenen Stadtautobahn zu entlasten, hatte Topbas im vergangenen Jahr so genannte „Metrobusse“ eingeführt, die auf einer speziellen Spur und damit ohne Staus fahren, um Pendler dazu zu bringen, aufs eigene Auto zu verzichten. Die Busse taugen nach Presseberichten jedoch nichts, und für die Opposition riecht die ganze Angelegenheit nach Unfähigkeit und Korruption. Topbas-Vize Ahmet Selamet sah sich veranlasst, das Projekt bei der Konferenz mit den deutschen Gästen zu verteidigen. Die „Metrobusse“ seien trotz aller Probleme ein umweltpolitischer Gewinn – pro Tag seien durch die Busse 80.000 Fahrzeuge weniger auf den Istanbuler Straßen unterwegs.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben