Berlin : Türkei soll Berlin bei Integration helfen

Senator Böger vereinbart in Ankara regelmäßige Zusammenarbeit

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Jeder vierte türkische Jugendliche schafft keinen Schulabschluss – eine derartige erschreckende Bilanz nach 40 Jahren türkischer Einwanderung in Berlin kann auch die Regierung in Ankara nicht kalt lassen. Deshalb war Bildungssenator Klaus Böger (SPD) für zwei Tage auf Einladung des türkischen Erziehungsministers Hüseyin Celik in Ankara und berichtete dem Tagesspiegel gestern kurz vor seinem Rückflug nach Berlin über die Gespräche.

Wichtigstes Ergebnis: Die türkische Regierung will mehr als bisher über hiesige Medien und über die türkische Gemeinde versuchen, auf die Integrationsbereitschaft der Familien einzuwirken, damit die Kinder mit der deutschen Sprache nicht erst bei der Einschulung in Kontakt kommen. In diesem Zusammenhang begrüßte Ankara auch das Vorhaben Bögers, schon vor der Einschulung einen Sprachkurs einzuführen. Laut Böger ist aber noch unklar, ob es juristisch möglich sein wird, diesen Sprachkurs verpflichtend zu machen, so wie er es eigentlich beabsichtigte (wir berichteten). Möglicherweise müsse man es wie Hessen machen. Dort wird es den Familien freigestellt, den Kurs zu besuchen. Immerhin 95 Prozent der Familien hatten von diesem Angebot Gebrauch gemacht.

Ein Grund dafür, dass die kulturelle und sprachliche Integration der rund 200 000 türkischen Berliner kaum vorankommt, liegt darin, dass rund 40 Prozent von ihnen immer noch ihre Ehepartner aus der Heimat holen. Dieses Problem habe er in Ankara angesprochen, berichtete Böger. Allerdings sei die Reaktion eher verhalten gewesen.

In Zukunft gibt es weitere Gelegenheiten, dieses Thema zu behandeln. Denn Böger und Celik verabredeten eine regelmäßige Zusammenarbeit zwischen Berlin und Ankara, um die Integration der türkischen Kinder zu verbessern. Bei diesen „Gesprächen auf Arbeitsebene“ wird es auch um den muttersprachlichen Unterricht gehen, den das türkische Konsulat in Berlin anbietet, sowie um den Islamunterricht, die Überarbeitung von Schulbüchern und um die bilinguale Erziehung.

Die beiden Politiker nutzten das Treffen auch zur Vorbereitung der nächsten Sitzung der regelmäßig tagenden deutschtürkischen Expertenkommission zum Thema „Integration“ am 30. und 31. Oktober in Ankara. Berlin ist in der Kultusministerkonferenz für dieses Thema zuständig. sei/sve

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