Berlin : Türken feiern am Tor

Platz des 18.März wird zur Konzertbühne

Suzan Gülfirat

Seine Songs für Demokratie und Menschenrechte sollten erhitzte Gemüter kühlen. Als der türkische Rocksänger Haluk Levent mit seinen Bandmitgliedern und den Organisatoren des Konzerts am 1. Mai 2003 kurz vor 21 Uhr am Mariannenplatz ankam, war die Bühne von Polizisten schon abgeriegelt worden. Auf der Straße tobte bereits der traditionelle Kreuzberger Straßenkampf. Damals versprach der beliebte Künstler seinen Fans, dass er wiederkommt. Jetzt, knapp drei Jahre später, bekommt er die Gelegenheit dazu, das Konzert nachzuholen.

Er wird am Sonnabend auf dem fünften türkisch-europäischen Kulturfest „Türk Günü“ (Türkischer Tag) am Brandenburger Tor singen. Mit diesem Fest wollen die Veranstalter – wie in den Jahren zuvor auch – die Verbundenheit der Türken mit Deutschland und Europa zeigen und für Toleranz und Integration werben. Das Organisationskomitee des „Türk Günü“, das aus Vertretern in Berlin ansässiger Vereine besteht, rechnet mit etwa 250 000 Teilnehmern aus ganz Deutschland. Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), hat die Schirmherrschaft übernommen. Das Motto des Festes lautet: „Voneinander wissen schafft Vertrauen – Miteinander feiern bringt Freundschaft“.

Aber nicht nur Haluk Levent will auf dem Fest für Stimmung sorgen, sondern auch der populäre deutsch-türkische Sänger Muhabbet will auf dem Fest singen, obwohl er am selben Abend im Columbiaclub in Tempelhof ein Konzert gibt. Gerade hat er sein Debütalbum mit dem Titel „RnBesk“ herausgebracht. Vor Kurzem ist er aus Köln, wo er aufgewachsen ist, nach Berlin-Kreuzberg gezogen. Daneben versprechen die Veranstalter Spezialitäten der türkischen Küche, Teegärten, Sport und Spiel für Kinder und Jugendliche. Der offizielle Beginn ist 12.30 Uhr. Bereits am heutigen Freitag beginnen die Aufbauarbeiten für die Bühne und die Straßenstände. Die Straße des 17. Juni ist ab 16 Uhr für den Autoverkehr gesperrt. Am Sonnabend werden dann folgende Straßenabschnitte von 10 bis 22 Uhr gesperrt sein: Die Ebertstraße zwischen Behrenstraße und Scheidemannstraße, die Yitzhak-Rabin-Straße und die Straße des 17. Juni zwischen Platz des 18. März und Kleiner Stern.

Anders als in den Jahren zuvor wird es in diesem Jahr keinen so genannten „Friedensmarsch“ durch die Innenstadt geben, sagte der Sprecher des Festkomitees, Tacittin Yatkin, dem Tagesspiegel am Donnerstag. Ob der türkische Ministerpräsident Recep Tayipp Erdogan, der zurzeit in Berlin weilt, auf dem Fest erscheinen wird, konnte Yatkin jedoch noch nicht sagen (siehe Meinungsseite). „Wir Vereinsvorsitzende werden uns mit ihm treffen. Dabei werden wir ihn einladen“, sagte Yatkin. Dabei hat die Tageszeitung Hürriyet gemeldet, dass der Politiker Freitagabend wieder in die Türkei fliegen wird.

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