Berlin : Türken in Berlin: Verbände warnen vor dem Feindbild Islam

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Die größten türkischen Dachverbände und Vereine haben in einer gemeinsamen Erklärung zur Bekämpfung des Terrorismus aufgerufen und davor gewarnt, ein neues Feindbild vom Islam zu verbreiten. "Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der Terror von Gruppen ausgeübt wurde, die sich auf den Islam berufen, nunmehr in der Bundesrepublik die Vorurteile gegen Muslime steigern könnte", heißt es darin. Zugleich appellierten sie in der am Mittwoch veröffentlichten Resolution an die türkischen Berliner, sich von Kreisen fern zu halten, die demokratische Traditionen ablehnten und dem Terror Verständnis entgegenbrächten.

"Politiker sollten genau aufpassen, was sie in diesen Tagen in der Öffentlichkeit äußern", sagte Taciddin Yatkin vom Verein "Türkische Gemeinde zu Berlin" (TGB) bei der Pressekonferenz im Versammlungsraum der Moschee am Columbiadamm. Der Verein ist auch gleichzeitig Dachverband für 38 andere türkische Vereine in Berlin. Nach den Anschlägen in Amerika seien zahlreiche Anrufe von besorgten Türken in dem Verein in der Adalbertstraße in Kreuzberg eingangen, sagte er. Der Islam sei in der Vergangenheit zu häufig mit Terror gleichgesetzt worden.

In Berlin leben schätzungweise 250 000 Moslems aus Ländern, wie zum Beispiel der Türkei, dem Iran, den zentralasiatischen Staaten, Bosnien-Herzogowina und aus den 24 Staaten der Arabischen Liga. Unterzeichnet ist die Erklärung von der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), dem Türkischen Bund Berlin-Brandenburg (TBB), der Türkischen Gemeinde zu Berlin (TGB), dem Verein zur Förderung des Gedankenguts Atatürks Berlin-Brandenburg (ADD-B) sowie von der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung Berlin-Brandenburg (TDU); die Organisationen repräsentieren nach Angaben von TBB-Geschäftsführer Kenan Kolat etwa 90 Prozent der Türken in Berlin. Terror könne durch keine Religion legitimiert werden, waren sich alle Teilnehmer auf dem Podium einig. Es sei auffällig, dass manche Kreise jetzt den Islam, die Muslime zum Feinbild erklärt haben.

Gleichzeitig wandten sie sich an die türkischen Berliner, sich von "fragwürdigen Organisationen" fernzuhalten. "Sie sollten genauer hinschauen, mit wem sie sich an einen Tisch setzen", sagte Eren Ünsal vom TBB. Eine Antwort auf die Frage, wer zu diesen Kreisen gehört, bekamen die Journalisten von ihr allerdings nicht. "Wir überlassen es der Beurteilung durch die Öffentlichkeit, wie ernst Organisationen zu nehmen sind, die in den letzten Tagen mit der Behauptung, sie würden den Islam vertreten, in die Öffentlichkeit getreten sind", sagte sie. So steht es auch in der Erklärung. Vielmehr gehe es darum, die Öffentlichkeit um mehr Besonnenheit im Umgang mit Moslems zu bitten.

Der Religionsattaché des Türkischen Generalkonsuls, Ali K¤l¤nç, nannte ein Beispiel: Eine Zeitung habe kürzlich ein Bild von Mohammed veröffentlicht. Dies kränke Moslems, weil im Islam Abbildungen des Propheten nicht erlaubt seien. Er sei sich sicher, dass dies aus Unwissenheit geschehen sei. Die Verbände wollen sich in Zukunft mit gemeinsamen Aktionen an die Öffentlichkeit wenden. Einen Zusammenschluss planen sie jedoch nicht. "Wenn die Parteien gemeinsam auftreten, heißt dies auch nicht, dass sie sich zusammenschließen wollen", sagte Kenan Kolat vom TBB.

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