Berlin : Türken und Aussiedler - eine Diskussion in der Friedrich-Ebert-Stiftung

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Mit einem Döner und Puschkin Wodka endete die Probe, bei der sich Erci E. und Sascha Puschkin kürzlich kennenlernten. Dabei hatten sie sich eigentlich nur getroffen, weil sie einen gemeinsamen Song für die Diskussionsveranstaltung am Dienstagabend in der Friedrich-Ebert-Stiftung einstudieren sollten. "Auf diese Weise ist eine russisch-türkische Connection entstanden", erzählt Erci E. So einfach kann es sein.

Dass die Realität aber oft anders aussieht, das vermitteln zumindest die Schlagzeilen über gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Aussiedlern und türkischstämmigen Jugendlichen. Um diese beiden Bevölkerungsgruppen ging es bei der Berliner Diskussion zu dem Thema "Döner trifft Blini.. . wer ist hier deutscher?" mit der Moderatorin Katrin Heise von SFB4 Radio MultiKulti.

Auf Antworten wartete man zwar vergeblich. Die schwierige Situation vieler deutschtürkischer oder russlanddeutscher Jugendlicher, die zwischen zwei Nationen stehen und weder von der einen noch von der anderen Gesellschaft vollständig akzeptiert werden, spiegelten aber gerade die zahlreichen Gegenfragen wider. Die lauteten beispielsweise: Ist jemand automatisch deutsch, wenn er die deutsche Staatsbürgerschaft hat? Warum erhalten Russlanddeutsche bei der Einreise sofort einen deutschen Pass? Und mit welcher Begründung ist das Verfahren für Türken, die seit etlichen Jahren in Deutschland leben, so viel schwieriger? "Für die Deutschen bin ich ein Türke, für die Türken ein Deutscher", sagte der 24-jährige Can. Ein junger Mann aus Usbekistan hatte sich immer als Deutscher gefühlt, bis er nach Deutschland kam - und hier in die Kategorie "Russe" gesteckt wurde. Auf diese Probleme antwortete Manfred Johnen vom Büro des Aussiedlerbeauftragten, indem er die Erhöhung der Integrationsmittel anführte - eine Lösung, die den Jugendlichen nur wenig Trost geben konnte. Ähnlich die Erklärung von Peter Dressen, SPD-Sprecher für Aussiedlerfragen, dass die Ursachen in dem "Blutprinzip" zu suchen seien.

Sowohl Podiumsgäste als auch Publikum waren sich einig, dass der Wille zur Anpassung ausschlaggebend und die Kenntnisse der deutschen Sprache von entscheidender Bedeutung sind. Um Deutscher zu sein, müsse man eine "eheähnliche Beziehung" mit Deutschland eingehen und dem Land gewissermaßen das Jawort geben, drückte es ein Gast aus dem Publikum aus und erhielt Beifall. "Denn durch den Pass allein wird kein Mensch Deutscher."

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