Berlin : Türkische Lehrer hoffen auf Kitas und Schulen Konferenz im „Haus der Türkei“

zu Sprachproblemen von Kindern

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„Sie sprechen ein schlechtes Türkisch und kaum deutsch, kommen schon in der ersten Klasse nicht mit, bleiben ohne Schulabschluss und Lehre und laufen Gefahr, kriminell zu werden“: Wenn Ertugrul Mut über die Zukunftsaussichten vieler Schüler nichtdeutscher Herkunft spricht, sieht er sie in diesem Teufelskreis gefangen. Ertugrul Mut unterrichtet türkische Kinder in Wedding zweisprachig und weiß: „Eine Schlüsselrolle spielen die Eltern.“ Doch wie erreicht man Mütter und Väter, die sich für den Bildungsgang ihrer Kinder kaum interessieren, weil sie selbst in der Schule nicht weit kamen? Der Pädagoge schaut etwas ratlos, ebenso wie die meisten Teilnehmer einer Konferenz des Türkischen Elternvereins zur „Sprachförderung von Kindern nichtdeutscher Herkunft“.

Dass aber „dringend“ mehr passieren muss, war am Sonnabend Konsens unter den 300 im „Türkischen Haus“ an der Urania versammelten Lehrern, Erziehern und Eltern. Schließlich spricht die Hälfte der in Berlin geborenen türkischen Kinder mit sechs Jahren miserabel deutsch, ein Viertel verlässt die Schule ohne Abschluss und nur neun Prozent schaffen das Abitur. „Die Schulmisere ist allerdings kein typisch türkisches Problem“, sagt die Schöneberger Lehrerin Ayla Kütük. „Es geht generell um Kinder aus sozial schwachen Familien – egal welcher Nationalität.“ Und Ertekin Özcan vom Elternverein ergänzt: „Vermitteln die Mütter und Väter nicht, wie wichtig Sprachkenntnisse sind, müssen das Kitas und Schulen leisten.“ Sein Verein geht zwar engagiert auf Mütter und Väter zu, aber viele Elternpaare sind offenbar nur schwer zu bewegen, sich stärker für die Bildung ihrer Kinder einzusetzen.

Deshalb hofft der Elternverein vor allem auf Kitas und Schulen und setzt dort auf die zweisprachige Erziehung. Vernachlässige man eine Sprache, schade das auch dem Erlernen der anderen. In Berlin lassen sich bilinguale Kitas und Schulen aber noch an zwei Händen abzählen, weshalb Schulsenator Klaus Böger (SPD) weitere Anstrengungen versprach. Andernfalls verschleudere Berlin ein „riesiges Begabungspotential“. cs

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