• Türkische Rockmusik soll die Gemüter kühlen Am 1. Mai singt ein Star aus Istanbul in Kreuzberg: Haluk Levent

Berlin : Türkische Rockmusik soll die Gemüter kühlen Am 1. Mai singt ein Star aus Istanbul in Kreuzberg: Haluk Levent

Suzan Gülfirat

Für seine Fans ist Rocksänger Haluk Levent der größte Held unter der türkischen Sonne. „Er tritt gerne ohne Gage vor bedürftigen Menschen in ärmeren Gegenden auf“, sagt die 24-jährige „Metropol“-Mitarbeiterin Nur Koc. Der türkischprachige Radiosender macht deshalb seit Tagen kostenlos Werbung für Levents Konzert am Tag der Arbeit am Mariannenplatz. „Schließlich ist es fürs Volk und umsonst“, sagt Nur Koc. Wenn Haluk Levent nach den Artisten des Zirkus Maximus mit seiner sechsköpfigen Band um 21 Uhr 30 auf die Bühne tritt, werden zwischen Feuerwehrbrunnen und Heinrichplatz die begeisterten Rufe hunderter junger Türken erkingen. Gerade wurde Levent vom türkischen Privatsender „Kral TV“ die Auszeichnung „Bester Rocksänger 2002“ verliehen.

Die Idee, einen Künstler aus der Türkei in den Kreuzberger Kiez zu holen, hatte Bezirksbürgermeisterin Cornelia Reinauer. Der Künstler sollte zum Fest und in den Bezirk passen. Also rief Reinauer beim Türkischen Bund Berlin-Brandenburg an, um dort nach einem geeigneten Künstler zu fragen. Nur einer kam in Frage, so die Mitarbeiter: Haluk Levent. Ein Banner für den Frieden ziert dessen Internetseite. Dort ist auch zu lesen, der 35-jährige Sänger habe Anfang der neunziger Jahre 11 Stunden lang für den Umweltschutz auf der Bühne Programm gemacht und damit einen Rekord gebrochen. Was lag also näher, als genau diesen Mann für das „Myfest“ am 1. Mai zu engagieren? Dieses Konzert muss er allerdings nicht kostenlos geben: Das Bezirksamt Friedrichhain-Kreuzberg zahlt.

In Deutschland kennt ihn fast jeder Türke, Deutschen hingegen ist er kaum bekannt. In der Türkei ist Haluk Levent schon seit zehn Jahren ein Star, vor kurzem erschien sein achtes Album. Der Titel: „Das Tagebuch eines Mannes.“ Levents Stücke heißen „Das Lied des Truckers“, „Dimitris aus Samos“, „Der Freund“, und „Der König ist nackt“. Und er singt Lieder gegen den Krieg, für Demokratie und Menschenrechte.

„Seine Musik ist eine Mischung aus Rock-Pop mit traditionellen Elementen, die Stücke sind oft sozial-kritisch. Er singt aber auch Liebeslieder“, sagt Bürgermeisterin Cornelia Reinauer. Sie hat sich gerade seine neue CD gekauft. „Da sind auch einige Ohrwürmer dabei“, sagt sie. Sie hofft, dass möglichst viele zum Konzert kommen. Vor allem hofft sie auf viele junge Türken, die der Star mit seiner Musik vom Steinewerfen abhalten soll. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, so beliebt wie Haluk Levent unter den Türken ist. Viele Türken, die man dieser Tage fragt, sagen: „Ich geh hin.“ Egal, ob jung oder alt. Schließlich ist es für die mehr als 30 000 Türken, die allein in Kreuzberg leben, nur ein Katzensprung zum Mariannenplatz.

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