Berlin : Türkischer Bund: Austrittswelle erschüttert die Vereine

Suzan Gülfirat

Die Welle der Vereinsaustritte aus dem Türkischen Bund Berlin-Brandenburg (TBB) hält an. Drei weitere türkische Vereine haben gestern ihren Austritt aus dem Dachverband von ursprünglich 26 türkischen Vereinen in Berlin erklärt. Bereits in der vergangenen Woche waren zwei mitgliedsstarke alevitische Vereine ausgetreten. Sie hatten dem TBB undemokratische Vereinsführung vorgeworfen und beklagt, dass er die Interessen der alevitischen Gemeinde nicht zur Genüge vertrete. Unter den jetzt ausgetretenen drei Vereinen ist auch das renommierte "Konservatorium für Türkische Musik." Unter den rebellierenden Mitgliedern ist auch ein prominentes Mitglied: die Ausländerbeauftragte von Schöneberg und Miglied der Neuköllner CDU, Emine Demirbüken. Sie hat ebenfalls ihren Austritt aus dem Türkischen Bund Berlin-Brandenburg erklärt.

Rebelliert gegen den TBB hatte sie bereits im vergangenen Jahr, als es nach einer umstrittenen Rede von Demirbüken anlässlich der Präsentation der türkischen Übersetzung des Grundgesetztes zum Streit innerhalb des Bundes kam. Die damaligen Sprecher des Bundes Safter Ǥnar und Demirbüken waren daraufhin zurückgetreten. Während Ǥnar wieder als Sprecher gewählt wurde, hat Demirbüken auf eine Kandidatur verzichtet. "Nach all den Jahren stelle ich fest, dass im TBB immer mehr die Vetternwirtschaft die Oberhand gewinnt: Man verdient Geld an der Vereinsarbeit", sagt Demirbüken. Das sei eine Mentalität, die ihr widerstrebe, schreibt Demirbüken in ihrer Austrittserklärung aus dem TBB. Die prominente Politikerin hatte den Türkischen Berlin-Brandenburg 1991 mitgegründet. Der liberale Verein war seinerzeit als Gegenpart zum konservativen Verein "Türkische Gemeinde" entstanden.

Auch die Mitglieder der gestern ausgetretenen Vereine werfen dem TBB "undurchsichtige Finanzberichte" und undemokratische Vereinsführung vor. Doch beim TBB ist auch nach dem Verlust von mehreren tausend Mitgliedern von den insgesamt knapp 20 000 Mitgliedern nicht die Spur von Selbstkritik zu sehen. "Warum sollten Kenan Kolat und ich zurücktreten", fragte er gestern. In der Vereinsführung werde es keine personellen Konsequenzen geben. Der Geschäftsführer Kenan Kolat, gegen den sich die Rebellion ebenfalls richtet, war bei vielen Mitgliedern aufgrund einer gefälschten Computerrechung in Ungnade gefallen, obwohl er versichert hatte, dass sie ohne sein Wissen zustande gekommen sei. Der Geldgeber, in diesem Fall die Senatssozialverwaltung, betrachtet die Angelegenheit als erledigt. Der TBB habe das Geld an die Verwaltung zurückgegeben. "Alle Behauptungen sind Lügen", bekräftigte Ǥnar gestern noch einmal. Auch fühlt er sich von der Entscheidung des Amtsgerichts Charlottenburg vom April bestätigt. Ein Mitglied hatte die Vorstandswahl vom Anfang dieses Jahres angefochten. Das Gericht hatte die Begründungen dazu abgelehnt und die Wahl anerkannt.

Die Ausländerbeauftragte des Senats, Barbara John sprach gestern dem TBB ihr Vertrauen aus. Für sie sei der TBB weiterhin einer der wichtigen Vertreter der Interessen der türkischen Gemeinde in Berlin. Einen neuen Verein zusammen mit den ausgetretenen Vereinen zu gründen, plant Emine Demirbüken nicht. "Ich bin nicht deswegen ausgetreten", sagte sie gestern.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben