Berlin : Türkischer Groll auf Peter Strieder

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) erzürnt Berliner Türken. „Dann zahl’ die Gebühr doch selber“, titelte die Tageszeitung Hürriyet in der vergangenen Woche auf der ersten Seite ihrer Berlin-Beilage. In ihr stehen Nachrichten, die weder in die eigentliche Ausgabe, noch in die Europabeilage passen, die fast täglich der Hürriyet beigelegt ist. Eines der beiden Bilder zu dem Aufmacher zeigte einen schelmisch lächelnden Stadtentwicklungssenator. „Senator Strieder hat den Groll der Türken auf sich gezogen“, hieß es in der Bildunterzeile. Auf dem anderen Foto waren zehn türkische Männer zu sehen. Wo in Berlin dieses Foto entstanden ist, schrieb Hürriyet nicht, aber die Zeitung nannte die Namen der Männer und berichtete, warum sie auf den Senator so sauer sind. „Die Absicht von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder, die Gebühr für die Parkvignetten von 30,70 Euro auf 100 Euro zu erhöhen und seine Aussage, dies seien doch ,peanuts‘, hat die Türken verärgert.“

Als dieser Text in der Hürriyet am Mittwoch erschien, war die Aussage von Peter Strieder mehr als zwei Wochen alt, insofern nicht mehr taufrisch. Aber die abgebildeten Türken konnten ihrem Ärger über den Senator richtig Luft machen. „Der sitzt gemütlich in seinem Senatorensessel.“ Sie zweifelten nun an der Glaubwürdigkeit des Politikers. „Unser Arbeitslosengeld und unsere Rente reicht nicht aus. Solche Teuerungen und solch ein Verhalten (wie das des Senators) bringen uns noch mehr zur Verzweiflung“, sollen sie gesagt haben. Jeder zweite türkische Existenzgründer bevorzuge wegen der finanziellen Misere der Stadt bereits Brandenburg. So schnelle die Arbeitslosenzahl unter Türken noch mehr in die Höhe. „Statt sich um die Jugendlichen hierzulande zu kümmern, holen sie Arbeitskräfte aus anderen Ländern hierher“, klagten die Männer.

Peter Strieder ist bei Hürriyet-Lesern also erst einmal in Ungnade gefallen. Dagegen braucht die Innungskrankenkasse (IKK) keine Angst zu haben, dass ihr die türkischen Mitglieder weglaufen. Ihr wird angerechnet, dass sie bei der Aufklärung eines üblen Falls half. „Das ist Gerechtigkeit“, titelte das Blatt auf der ersten Seite seiner Europabeilage. „Ein Graphologe hat herausbekommen, wer einen Türken beleidigt hat“. Wie berichtet, hatte ein 38-jähriger türkischer Friseur Anfang Januar eine Rechnung von der Innungskrankenkasse bekommen, an die ein Notizzettel mit Beleidigungen angeheftet war. Eine Graphologin bekam heraus, dass vermutlich eine Beschäftigte der Kasse das Schreiben verfasst hat.

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