Berlin : Türkisches Kaufhaus: Von Kitsch bis Köstlichkeiten

Tanja Buntrock

Von allen Seiten begutachtet Ehepaar Trillhaase zwei riesige Vorratsgläser mit Essig-Gemüse. Verkäuferin Nazife Heinz bemerkt, dass die beiden Probleme haben, sich für eine Sorte zu entscheiden und eilt zur Hilfe. Geduldig erklärt sie ihnen den Geschmacksunterschied der beiden Firmen.

Christine und Gerhard Trillhaase sind extra aus Pankow zum Kaufhaus Adese, dem ersten türkischen Kaufhaus in Berlin, gefahren. Am 1. August hat es am Kottbusser Damm im Gebäude des ehemaligen Fox-Marktes seine Türen geöffnet. "Wir wollten mal sehen, was die hier so im Angebot haben", sagt Christine Trillhaase, "bisher haben wir vor allem Fleisch und Obst in den kleinen türkischen Läden bei uns in der Nähe gekauft". Ihr Mann ist besonders von der Frische des Angebots in türkischen Läden angetan. "Das findet man bei den Deutschen nicht immer", erzählt er. Nachdem sich Ehepaar Trillhaase für eine Sorte entschieden hat, führt Nazife Heinz durch die Gänge. "Wir bieten türkische und deutsche Waren an. Auch das Publikum ist gemischt", erläutert die Verkäuferin.

62 Mitarbeiter arbeiten bei Adese. Davon sind auch 12 Deutsche im Team. Filialleiter Kerim Özmen sieht das Kaufhaus als "eine Mischung zwischen Woolworth und Penny-Markt". "Wir haben unten Lebensmittel, oben finden die Kunden Textilien und Haushaltswaren." Den Vorteil des Kaufhauses gegenüber den kleinen türkischen Läden sieht er vor allem darin, "dass wir ein größeres Angebot haben und günstigere Preise. Bei uns kann man auch viel in großen Vorratspackungen kaufen".

In der Türkei ist die Kaufhauskette schon mit vielen Filialen im Land verbreitet. Sollte das Geschäft in Berlin erfolgreich laufen, plant die Holding zwei weitere Filialen in der Hauptstadt und etwa sieben Häuser bundesweit zu eröffnen. Momentan befindet sich alles noch in der "Testphase", denn offiziell wird der Adese-Markt erst Mitte September "mit viel Prominenz und einer Party eröffnet", erläutert Özmen. Man wolle die Ferienzeit schon mal dazu nutzen, dass die Angestellten sich an alles gewöhnen könnten.

Im Kaufhaus Adese gibt es kein Schweinefleisch und keinen Alkohol. Das sei eine Tradition des Kaufhauses. Neben den vielen türkischen Waren, die auch Deutsche kennen, wie türkisches Mineralwasser oder Pide-Brot, sind auch einige ungewöhnliche Leckereien im Angebot. "Kennen Sie in Zucker eingelegte Kastanien? Oder Kastanienpüree? Oder Balsambaum-Marmelade?", fragt Nazife Heinz und ist stolz, dass Adese diese "Köstlichkeiten" führt. In der 1. Etage finden sich zwischen den Textilien und Haushaltswaren aber auch beliebte Kitschwaren, wie künstliche Blumen und verschnörkelte Bilderrahmen. Die Attraktion: Das Bild eines sich bewegenden Wasserfalls mit Vogelzwitscher im Hintergrund für 89,99 Mark.

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