Berlin : „Türkiye“, hurra, hurra!

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Zwei türkische Jungs, vielleicht 13 Jahre alt, schlendern die Reichenberger Straße entlang in Richtung Kottbusser Tor. Sie reden hastig. Worüber? Keine Frage, über den Sieg der türkischen Mannschaft über China. Der eine: „Türkei, Endspiel gegen Deutschland, 2:0.“ Das höhnische Gelächter einer Passantin kratzt sie nicht. Der andere: „Türkei kann alles schaffen.“

Ein paar Meter weiter im Türkspor-Café „CanCan“ sieht man die Sache etwas realistischer. Etwa 15 der 70 Männer, die sich am Morgen das Spiel ihres Teams gegen die Chinesen angeschaut haben, sind noch hier. Sie rauchen, spielen Karten und diskutieren. „Noch gibt es nicht allzu viel zu feiern“, bremst einer die Euphorie, „mit dem Einzug ins Achtelfinale haben wir viel erreicht, aber nun müssen wir abwarten.“ Im Hintergrund läuft der türkische Fernsehsender „Lig TV“, der Ausschnitte eines Spiels der Türken von 1954 zeigt. Das war bislang das einzige Mal, dass sie bei einer WM dabei waren. „Vielleicht schaffen sie’s ins Halbfinale. Wir hoffen.“

In Neukölln steht Ahmet Erdogan breit grinsend vor seinem Gemüseladen. Das Radio lief die ganze Zeit. „Ich muss unbedingt die Zusammenfassung heute Abend schauen“, sagt er. „Spannend, gegen wen wir jetzt wohl spielen müssen.“ Zur Feier des Tages gibt’s bei ihm ein Sonderangebot: ein Kilo Erdbeeren – ein Euro. „Das ist ohne Gewinn für mich.“ Auf der Straße brettern hupende Autos vorbei, aus den Seitenfenstern flattern Türkeifahnen. Rund um das „Kotti“ genauso wie auf den Hauptstraßen Neuköllns. „Türkiye“, schreien sie aus den Autos und spreizen dabei drei Finger: drei für 3:0. Dann geht es Richtung Ku’damm. Autokorso.

Hupen, Schreien, Fahnen schwenken. Ein paar Hundert verbreiten ihren Jubel zwischen Tauentzien und Ku’damm. Immerhin, schließlich ist’s mitten am Arbeitstag.

Zwei junge Brasilianerinnen mit den Trikots und Fähnchen ihres Landes kommen den Türken entgegen. Die Reaktion? Allseits freundliche Pfiffe, Grinsen und Klatschen. Denn wer die Türkei schlägt, das kann nur der Weltmeister sein.

Gar nicht weltmeisterlich spielen die Italiener gegen Mexiko. In der Kreuzberger „Osteria“ zittern Hunderte dicht gedrängt um den Einzug ins Achtelfinale ihrer „Squadra Azurra“. Die Mexikaner führen mit 1:0, dann fällt der Ausgleich. Tooor! Oder? „Mamma Mia“, nicht schon wieder, schreit ein Fan. Der Treffer zählt nicht. Die Zeit rennt davon. „Italia, Italia“, skandieren die Zuschauer vor der Großleinwand. Dann kommt Del Piero und erlöst die Fans. Ausgleich! Trommeln, kreischen, schreien. Aber verdient haben sie’s nicht, gesteht einer, dem die Anspannung auch nach dem Abpfiff im Gesicht geschrieben steht. tabu/how

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