Berlin : Tunnel-Blick

Matthias Oloew

Warum nur schauen sich tausende Fußgänger einen neuen Autotunnel an? Weil die Berliner ein ganz besonderes Verhältnis zu Tunneln haben? Schließlich gruben sie sich unter der Mauer durch, um die Flucht von Ost nach West zu schaffen, und sie gruben unter Tresorräumen, um spektakuläre Einbrüche zu machen.

Die Antwort aber scheint viel einfacher und nahe liegender zu sein. Ein Spaziergang im Tunnel passt zu Berlin. Ist man erst mal drin, sucht man das Licht am Ende desselben (tun die Berliner in ihrer finanziellen Lage schon immer). Weil das gleichzeitig viele andere auch machen, ist dieser an sich unkomfortable Akt ein geselliges Unterfangen. Das eingeschränkte Sichtfeld in so einer Röhre versinnbildlicht außerdem sehr hübsch die politische Diskussion. Die Grünen demonstrieren gegen das hunderte Millionen teure Verkehrsprojekt, ohne zu sagen, dass ein Autobahn-Tunnel die Stadt viel billiger gekommen wäre – den hätte der Bund komplett bezahlt. Aber auch der Senat steckt im Argumentations-Tunnel: 390 Millionen für die Tiergarten-Röhre, das ist in etwa die Summe, die jetzt der Stadt fehlt, um alle ihre Straßen sanieren zu können.

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