Berlin : Tunnel öffnet noch später

Software für Tiergartenunterführung ist fehlerhaft. Leitzentrale funktioniert

Klaus Kurpjuweit

Die Freigabe des Straßentunnels der B 96 unter dem Tiergarten wird sich weiter verzögern. Die für gestern vorgesehene Eröffnung der 2,4 Kilometer langen Röhren war bereits verschoben worden. Danach sollten die Autos Anfang November freie Fahrt erhalten. Doch jetzt will sich Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) auf gar keinen Termin mehr festlegen: „Erst muss klar sein, dass alle Sicherheitsanforderungen erfüllt sind“, sagte Junge-Reyer gestern. Und so weit ist man noch lange nicht.

Die für das Zusammenspiel der Technik in den neuen Röhren erforderliche Software für die Computer, „Dirigent“ genannt, ist verspätet geliefert worden und sei außerdem fehlerhaft, so die Senatorin, die darüber spürbar verärgert ist. Nach der Übergabe der Technik ist noch ein etwa sechswöchiger „Probeechtbetrieb“ im Tunnel vorgesehen. „Die Sicherheit geht vor“, betonte Junge-Reyer.

Der Senat hat bei der Tunnelsicherheit seine Hausaufgaben bereits gemacht. Gestern konnte Junge-Reyer zusammen mit Staatsekretärin Iris Gleicke (SPD) aus dem Verkehrsministerium die modernisierte und erweiterte Tunnelleitzentrale, das Herz der Sicherheitseinrichtungen, übergeben. Der Umbau hat rund 2,15 Millionen Euro gekostet. Bezahlt hat der Bund. Die Anlage an der Scharnweberstraße in Reinickendorf kontrolliert jetzt sieben der zehn längeren Tunnel in der Stadt. Rund 100 Kameras überwachen den Verkehr; mit dem Tiergartentunnel kommen weitere 100 hinzu. Zu sehen sind die Bilder auf 26 Monitoren. Auch alle technischen Anlagen werden von der Leitzentrale aus überwacht, die im Gefahrenfall direkt eingreifen kann.

Bei einem Brand wird die Zufahrt zum Tunnel sofort gesperrt. Für größere Einsätze gibt es in der Tunnelleitstelle extra einen Platz für einen Feuerwehrmitarbeiter. Öffnet jemand im Tunnel eine der Notausgangstüren, löst dies auch in der Zentrale sofort einen Kontakt zur Kamera aus. Doch auf die Bilder allein verlassen sich die Mitarbeiter nicht. In den Tunneln gibt es auch automatische Brandmeldeanlagen, Notbeleuchtungen, Luftgütemessgeräte, Notrufstationen und Löschwasserversorgungsanlagen.

Sogar Einzelhinweise an Autofahrer sind möglich. Ist ein Falschfahrer unterwegs, den die Leitzentrale am Monitor sieht, können die Mitarbeiter per Lautsprecher mit dem Fahrer Kontakt aufnehmen. Der Ruf wird gleichzeitig über den Verkehrsfunk im Radio übertragen.

Die erste Überwachungsstation in Berlin wurde 1979 eingerichtet. Doch erst seit den Brandkatastrophen in Alpentunneln ist die Leitstelle rund um die Uhr besetzt. 25 Mitarbeiter gehören zum „Tunnelmamagement“.

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