Berlin : Tunnel unter dem Tiergarten öffnet später Wochenlanger Verzug wegen Softwarefehlern

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Die für den 7. September geplante Eröffnung des Autotunnels unter dem Tiergarten verschiebt sich um „mehrere Wochen“. Dies teilte gestern überraschend Verkehrssenatorin Ingeborg Junge Reyer mit. Begründet wurde dies mit fehlender Software, die die Sicherheitseinrichtungen koordinieren soll. Diese „Dirigent“ genannte Technik sollte bis Mittwoch geliefert werden – doch die Firma bat kurzfristig um Aufschub.

Damit sei es nicht möglich, das Zusammenspiel der sicherheitsrelevanten betriebs- und verkehrstechnischen Anlagen rechtzeitig zur Eröffnung zu testen, teilte Junge-Reyer mit. Die Senatorin sagte, sie habe beschlossen, dass der Tunnel erst nach erfolgreicher Installation der Software und einer anschließenden sechswöchigen Testphase eröffnet wird. An dem Tunnel wird seit zehn Jahren gebaut.

In der Verkehrsverwaltung ist die Empörung über die Softwarefirma groß. „Die haben immer versichert, wir schaffen das“, hieß es in der Behörde. Offiziell nannte die Verkehrsverwaltung gestern eine Verzögerung von „drei bis vier Wochen“. Intern hieß es aber, realistischer sei ein Termin erst im November: Für Anfang November war die Eröffnung der Tunnelzufahrt in der Invalidenstraße vorgesehen. Nun wollen die Planer wohl die Gesamteröffnung auf diesen Termin legen – sofern sich nicht auch die Fertigstellung der Ausfahrt verzögert. Auch der für den 28. August geplante „Tag des offenen Tunnels“ für eine Besichtigung zu Fuß verschiebt sich. Ein neuer Termin wurde nicht genannt; er soll etwa eine Woche vor der Eröffnung sein.

Die Verkehrsverwaltung bezeichnete die im Tiergartentunnel eingebaute Sicherheits- und Verkehrstechnik als eine von „höchstem Niveau“. Dies bestätigte die Feuerwehr. Der Tunnel erfülle die neuesten Anforderungen für Autobahntunnel – obwohl er offiziell nur als Stadtstraße gilt. „Wir sind überaus zufrieden“, sagte Hartmut Hopp, Leitender Branddirektor der Feuerwehr und zuständig für die Sicherheit von Verkehrsanlagen.

Jeder Winkel des Tunnels sei videoüberwacht, Unfälle oder Rauchentwicklungen würden deshalb sofort erkannt. Die Bilder laufen wie die der anderen Berliner Autotunnel in der Zentrale in Tegel ein. Hopp zufolge ist diese Zentrale seit dem 1. Juli auch nachts besetzt. Bei Unfällen oder Bränden würden vor beiden Tunnelröhren die Ampeln sofort auf Rot springen, die Feuerwehr könnte die nicht betroffene Röhre dann zur Anfahrt nutzen. Zwischen beiden Röhren gibt es in kurzem Abstand Verbindungstüren, teilweise alle 25 oder 50 Meter. Die Vorschrift für Autobahntunnel verlangt eine derartige Verbindung nur alle 250 Meter. Auch die Funkversorgung, die Löschwasserversorgung und die Meldetechnik sei optimal, lobte der Feuerwehrexperte.

Etwa 60 000 Autos sollen täglich durch die 2,4 Kilometer langen Röhren rollen, der Bau soll knapp 400 Millionen Euro gekostet haben. Teilweise gibt es aber nur eine Spur pro Richtung. Kritiker nennen den Tunnel deshalb Staufalle. Experten sehen zudem hohe Unfallgefahren: „Es gibt jede Menge Kurven und viele Abfahrten.“ Das Tempolimit liegt bei 50 Kilometer pro Stunde. Ha

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