Berlin : Turm-Jubiläum soll drei Tage gefeiert werden

Der Fernsehturm wird am 3. Oktober 35 Jahre alt

Lothar Heinke

Als der Termin für die Einweihung des Fernsehturms 1969 auf den 3. Oktober gelegt wurde, ahnte nicht einmal der oberste Turm-Erbauer Walter Ulbricht, dass dieses Datum dereinst als Feier-„Tag der Deutschen Einheit“ im Kalender stehen würde. In diesem Jahr feiert der Riese vom Alexanderplatz seinen 35. Geburtstag – und das ausgiebig. Vorgesehen ist, drei Tage lang auf das Jubiläum anzustoßen.

„Eigentlich müssen wir Ulbricht dafür dankbar sein, dass er den Turm hier an diesen Standort gerückt hat. So sind unsere Zahlen planbar, denn hier oben muss jeder mal gewesen sein!“, sagt Hartmut Wellner. Der Geschäftsführer der TV-Turm Alexanderplatz Gastronomiegesellschaft rechnet damit, dass bis zum 3. Oktober 2004 insgesamt 42,5 Millionen Menschen aus 203 Metern Höhe auf die Stadt geblickt haben. Vor den Geschäftspartnern aus dem von Mittes Wirtschafts-Bezirksstadtrat Dirk Lamprecht (CDU) geleiteten Wirtschaftskreis Mitte erläuterte jetzt der Chef des Publikumsbereichs in der silbernen Turmkugel, wie sich die Dienstleistungen im höchstgelegenen Berliner Betrieb entwickelt haben.

Begonnen hatte alles als „Tele-Café“ mit Eis, Getränken und Kuchen. Dann kamen belegte Brötchen und Kartoffelsalat hinzu, bis die ersten DDR-Mikrowellen nach Größerem verlangten: „Wir fingen an, Schweinefilets zu vergewaltigen, und weil die so blass aussahen, wurden Champignons oben drauf gelegt“, sagt Hartmut Wellner schmunzelnd. Leider störten die Mikro-Wellen den Funkbetrieb der Techniker in der Kugel des Fernseh- und UKW-Turms, so dass neue, dann japanische Geräte angeschafft werden mussten. Bis heute gibt es da oben zwar keine Steaks, aber „jede Menge hochwertiges Essen in einem guten Restaurant von früh bis in die Nacht“. Der Jahresumsatz kann sich ebenfalls sehen lassen: Neun Millionen Euro erwirtschaften die 85 Mitarbeiter. Zu DDR-Zeiten waren einmal 380 Menschen im und am Turm beschäftigt, davon allein 32 mit „Sicherheitsaufgaben“ – in einem eigenen Polizeirevier.

Die Feiern zum 35-jährigen Jubiläum sollen vom 1. bis 3. Oktober dauern, rund um den Turmfuß neben dem S-Bahnhof Alexanderplatz ist ein Volksfest geplant. Dabei soll es einen „Kellnerlauf“ Richtung Brandenburger Tor und zurück geben – die teilnehmenden Berliner Gaststätten werden Mannschaften ins Staffelrennen schicken, die Kellner jonglieren volle Tabletts, „wie auf den Champs-Élysées, wo dieser Lauf tausende Zuschauer an die Strecke lockt“, sagt der TV-Turm-Kooperationspartner Friedhelm Acksteiner.

Dessen Event-Agentur regt außerdem an, alljährlich zum Turm-Jubiläum am 3. Oktober feierlich einen silbernen Fernsehturm als Bürgerpreis für besondere Verdienste um Berlin und für beispielhafte Zivilcourage in dieser Stadt zu vergeben. Mittes Bezirksbürgermeister Joachim Zeller (CDU) kommt bei den bis jetzt entwickelten Ideen zum Turm-Jubiläum regelrecht ins Schwärmen: „Absolut toll.“ Der Turm sei schließlich das am weitesten ins Land ausstrahlende Wahrzeichen Berlins sagt der Bürgermeister mit einigem Stolz, „egal, von wo ich komme – wenn ich den Turm sehe, dann ist das ein Stück Heimat, und ich bin froh, wieder zu Hause zu sein“.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben