Berlin : Turnen und Toben bei der Zweitmutter

Wie die dreijährige Lena und ihre Eltern die Tagespflege erlebten

Christoph Stollowsky

Die Zweitmutter hieß Cordula. Auf dem Plattenweg zu ihrer Wohnung freute sich Lena an jedem Sommermorgen erst über die vielen Spatzen, die umherflattern – und dann über ihr zweites Zuhause: Schon selbst auf den Klingelknopf drücken, das macht eine Dreijährige stolz. Sie rannte die paar Stufen hoch. „Hallo Cordula!“ Im Türrahmen standen die Tagespflegemutti und rechts und links Lennart und Nathalie, beide in Lenas Alter. Hausschuhe anziehen, jetzt erstmal frühstücken. Cordulas Trio war komplett. In der Regel betreut eine Berliner Tagespflegemutter drei Ein- bis Dreijährige.

Schade, dass ist jetzt alles vorbei - aber es bleibt eine gute Erinnerung. Klappt alles so gut wie bei Cordula in Lichterfelde-West, so bieten Tagespflegemütter ihren Schützlingen eine zweite überschaubare Familie und damit die wichtige Erfahrung, dass es im Leben neben Mutter und Vater noch weitere Erwachsene gibt, auf die man vertrauen kann. Viele Eltern entscheiden sich deshalb bewusst gegen Krippen und für die intimere Tagespflege – zum Beispiel für Cordula.

Seit mehr als zehn Jahren hat die gelernte Erzieherin diesen Job. Sie liebt ihn und musste sich keineswegs immer allein um Lena, Lennart und Nathalie kümmern. Da ist noch Axel, ihr Mann, und da sind ihre eigenen drei Kinder zwischen 12 und 18 Jahren, die gleichfalls mit den Knirpsen Verstecken spielten oder Bilderbücher ansahen. Außerdem trifft sich Cordula bei der Arbeit auch mit Kolleginnen: Dann gehen sie alle zusammen ins Kindertheater, in eine Turnhalle oder fahren mit den voll besetzten Radanhängern ins Nachbarschaftscafé.

Es war allerdings ein Hürdenlauf bis zum ersten Tag bei Cordula: Ende Februar 2001 musste Lena im Steglitzer Rathaus angemeldet sein, um als Einjährige ab August einen Platz zu bekommen. Ihre Betreuung von 9 bis 15 Uhr wurde bezuschusst. Soweit der Papierkrieg. Doch viel schwieriger war die anschließende Suche. Fünf Verabredungen mit möglichen Pflegemüttern brauchten Lenas Eltern – bis klar war: Cordula ist Favorit.

Lena, die jüngste Tochter des Autors, besucht seit zwei Wochen einen Kindergarten.

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