Berlin : Turner, vom Geist Gottes bewegt

Friedhard Teuffel

In diesem Gottesdienst sind Trainingsanzüge sehr willkommen, und weil ganze Gruppen sich sportlich angezogen haben, sehen die Emporen im Berliner Dom aus wie Tribünen einer Sporthalle. Das Internationale Deutsche Turnfest ist in der Stadt. Viele Teilnehmer wollen sich nicht nur an das Motto der Veranstaltung („Berlin bewegt uns“) halten, sondern auch an das dieses ökumenischen Turnfestgottesdienstes: „Wir werden vom Geist Gottes bewegt.“ Der Dom ist jedenfalls überfüllt, einige Sportler müssen ihre Ausdauer auf den Stehplätzen zeigen.

Das Turnfest ist am Pfingstsonntag erst einen Tag alt, aber Berlins evangelischer Bischof Wolfgang Huber lädt in seiner Predigt trotzdem schon zur Siegerehrung. Zwei Siegerkränze gebe es zu verteilen, den vergänglichen des Sports, der den Zweiten geschlagen zurücklässt. Und den unvergänglichen Siegerkranz des Glaubens. „Wer diesen Kranz erhält, muss dafür niemand auf den zweiten Platz verweisen“, sagt Huber. Verheißen werde den Christen dieser unvergängliche Siegerkranz in der Taufe. „Von ihm ist niemand ausgeschlossen.“

Den Glauben will Huber aber nicht gegen den Sport ausspielen. Die Verheißung des Siegerkranzes mache Laufen und Kämpfen nicht überflüssig. „Wir brauchen Übung, Training, Gewöhnung dafür, um die richtige Richtung einzuschlagen.“ Warum solle also das sportliche Trainieren nicht auch dem christlichen Glauben zugute kommen, fragt Huber. Der christliche Glaube schätze den Körper ohnehin nicht gering: „Wir sollen den eigenen Körper wichtig nehmen, aber ihn nicht vergöttern, wir sollen Sport treiben, aber nicht fanatisch werden.“

Huber verbindet an diesem Sonntag nicht nur Sport und Glauben miteinander, sondern auch Pfingsten und das Turnfest. Pfingsten sei der Beginn der christlichen Kirche, ein Beginn „in Vielfalt und Einheit“. Menschen unterschiedlicher Herkunft hätten zu Pfingsten durch den Heiligen Geist auf einmal alle zusammen die eine Botschaft verstanden. „Die Begeisterung für den Sport hat offenbar ebenfalls beides: Vielfalt und Einheit“, sagt Huber, zumal sich das Turnfest jetzt zum ersten Mal international nenne.

Bezogen hat sich Bischof Huber in seinen Aussagen oft auf den Apostel Paulus, der sich für den Sport seiner Zeit durchaus interessiert habe. Die Turngemeinde im Dom hat ihm jedoch eines voraus: „Paulus war kein besonders sportlicher Mensch.“

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